Hierarchie im Orchester

Das Wort »Hierarchie« kommt aus dem Altgriechischen, zusammengesetzt aus »hieros« (heilig) und »archē« (Führung). Ursprünglich bezog sich der Begriff lediglich auf die Religion, wird heute aber als Rangordnung von Menschen, Tieren oder auch Sachen untereinander angesehen. 

Das Lexikon weiß: »Mit Aufkommen der künstlich geschaffenen Personenvereinigungen (Vereine, Kirchen, Korporationen, Unternehmen, Militär, politische Parteien) schuf man auch bei diesen Hierarchien, die auf dem System von Befehl und Gehorsam aufbauen.«

Auch ein Orchester ist ja eine solche »künstlich geschaffene Personen­vereinigung« und – zumindest oberflächlich betrachtet – ebenfalls hierarchisch organisiert. Es gibt den Konzertmeister, es gibt Stimm- oder Registerführer sowie deren Stellvertreter. Es gibt Solobläser. Und natürlich gibt es die Tutti­spieler. 

Dass aber die Stimmen im Orchester unterteilt sind, hat mitnichten mit der Qualität der Spieler zu tun. Die Hierarchie ist eben kein Abbild des Könnens im Orchester. »Die Anleitung, der wir im Orchester folgen, kommt vom ­Komponisten – und nicht vom Dirigenten«, weiß Markus Theinert. 

Und »ich kann für jeden Musiker im Orchester einen bestimmten Platz im Gewebe finden. Das muss man nicht bewerten im Sinne von ›besser‹ oder ›schwächer‹, sondern im Sinne von ›anders‹.« Es stimmt nämlich nicht, dass die 3. Stimme so unwichtig ist, dass sie nur von den Schwachen gespielt wird.

Man kennt die berühmten Dirigenten. Jene, die eben in der Hierarchie ganz oben stehen, die mit dem größten Ego. Man kennt die Maestros, die diktatorische Anwandlungen an den Tag legen. Besser: legten. Heutzutage setzt Fachwissen eine Hierarchie fast außer Kraft. Und in der Musik – beim gemeinsamen Musi­zieren – ist ein »Ich hier oben« und »Ihr da unten« ohnehin kontraproduktiv. Das findet auch Thomas Ludescher. 

Das Schwerpunktthema »Hierarchie im Orchester« besteht aus fünf Artikeln mit insgesamt 14 Seiten: 

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