Zwischen Verdi und Jazz - Die italienische Banda

Sie war ein Produkt der bürger­lichen Revolution und ein wichtiger Bestandteil der ländlichen Musik­kultur Italiens: die Banda, die Gemeinde-Blaskapelle. Wenn sie Opernmelodien oder Passionsmusik spielt, hört man die Emotionen roh und ungefiltert.

Getragen von der Französischen Revolu­tion und verführt vom Machthunger eroberte Napoléon vor 200 Jahren halb Eu­ropa. Am Ende unterlag er nicht nur den Heeren der alten Großmacht-Monarchen, sondern hatte auch die Sympathien der freiheitlich Denkenden verspielt. Ludwig van Beethoven, der noch 1803 Napoléon seine »Eroica«-Sinfonie widmen wollte, nahm von diesem Vorhaben schließlich ­Abstand. 1820 schrieb er über Napoléon sogar: »Ich war als Deutscher sein größter Feind. Unsere Nachkommen werden ihn besser zu würdigen wissen.« Tatsächlich ist für uns Nachkommen vieles, was Napoléon damals begründete und förderte, kaum mehr wegzudenken: vom bürgerlichen Gesetzbuch bis zur Textilmode-Industrie, von der Ägyptologie bis zur Konservenbüchse. Und sogar für den vehementen Aufstieg der Blaskapellen war einst kein anderer verantwortlich als Napoléon.

Das 18. Jahrhundert

Bereits im 18. Jahrhundert leisteten kleine Bläser-Ensembles einen wichtigen Beitrag zur Popularisierung von großer Musik. ­Diese Ensembles – man nannte sie »Harmoniemusik« – bestanden in der Regel aus zwei Oboen, zwei Fagotten und zwei Hörnern. Um 1770 kamen noch zwei Klari­netten hinzu, aber auch andere Blasinstrumente (Flöte, Posaune) waren als Ergänzung denkbar. Die Harmoniemusik spielte nicht nur zur Tafel bei Hofe, sondern vor ­allem fürs Volk unter freiem Himmel, auf öffentlichen Plätzen und in Ausflugs­lokalen. Um Opern und Sinfonien für dieses populäre Bläserformat zu bearbeiten, brauchte es Arrangeure – wie die Herren Wendt, Triebensee oder Heidenreich, die heute vor allem für ihre Harmoniemusiken nach Mozart-Opern bekannt sind. Triebensees Vater übrigens leitete selbst die Harmoniemusik am Wiener Kaiserhof.

 

  • 14.02.2012
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 3/2012
  • Seite 46-49

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