Zwei Münchner Philharmoniker treffen Alison Balsom (1)

Sie ist müde nach der Probe von Qigang Chens »Joie Eternelle«, das sie gemeinsam mit den Münchner Philharmonikern darbieten wird. Sie ist gerade einmal eine halbe Stunde vor Probenbeginn aus London eingeflogen. Sie braucht eine kurze Pause, einen Cappuccino und etwas Zucker. Die englische Trompeterin Alison Balsom sieht trotzdem umwerfend aus.

Zu dritt wird die Garderobe der »Königin der Trompete«, wie sie in den Medien bisweilen geadelt wird, belagert. Guido Segers, Solo-Trompeter der Münchner Philharmoniker, und Hornist Ulrich Haider möchten für CLARINO mit der Künstlerin sprechen. Alison Balsom hält Hof, könnte man meinen. Doch die Königin gibt sich volksnah.

Alison Balsom ist zwar ein Star, doch Allüren sind ihr fremd. Da ist die Sozialisierung in einer englischen Brassband sicherlich nicht ganz unschuldig. Im Gespräch wirkt sie bisweilen nachdenklich. Doch sie hat offenbar gute Laune, lacht viel und hat Spaß daran, Geschichten zu erzählen und zu diskutieren.

Was ist das erste, woran Sie denken, wenn Sie an München denken?

Alison Balsom: Ich denke an den Eng­lischen Garten. Denn der ist wunderschön! Ich bin dort schon so oft spazierengegangen und habe einfach nur dort gesessen und genossen, wenn ich zwischen Konzerten Zeit dazu hatte. Wenn ich nach München komme, versuche ich auch immer, in der Nähe des Englischen Gartens unterzukommen. Und natürlich denke ich auch an den Gasteig. Mit den Münchner Philharmonikern allerdings habe ich bislang erst ein Mal gespielt.

Der große Unterschied der versammelten Musiker ist die Umgebung, in der sie musizieren. Während Guido Segers und Ulrich Haider überzeugte Orchestermusiker sind und ihre Passion überwiegend bei den Münchner Philharmonikern unter großen Dirigenten ausleben, reist die 37-jährige Engländerin in der Weltgeschichte umher. Basel, München, Wien, Hannover, Berlin innerhalb weniger Tage. Zur Nachahmung empfohlen?

Sie haben sich für eine Solo-Karriere entschieden. Warum eigentlich?

Alison Balsom: Hauptsächlich liebe ich Musik. Und ich es habe es immer geliebt, Musik zu machen. Ich wollte immer und alles spielen! Es ist sicherlich nicht einfacher, im Orchester zu spielen, aber man spielt nicht so viel, wenn man innerhalb dieser Gruppe sitzt. Es war einfach die Entscheidung. Ich wollte die Melodien spielen, die ich liebte. Ich hatte früher nicht wirklich die Vorstellung, was das bedeuten würde, aber es ist dann so gekommen.

Und warum haben Sie sich entschieden, im Orchester zu spielen?

Guido Segers: Ich liebe es einfach, im Orchester zu spielen. Das ist schlicht und ergreifend der einfache Grund. Es macht mir einfach Freude, Orchestermusik zu machen. Ich spiele auch ein paar Solokonzerte, aber mein Metier ist einfach, im Orchester zu spielen. Als Solist entscheidest du. Du entscheidest das Tempo, du entscheidest die Dynamik, alles. Im Orchester entscheidet der Dirigent, wie du zu spielen hast – was wohl der größte Unterschied ist.

Was ist so spannend am Solistenleben? Außer dass man ständig unterwegs ist?

Alison Balsom: Es ist ein interessantes Leben. Denn selbst wenn du jemandem erzählst, du seist Solo-Trompeterin, ist das schon ein eher seltener Beruf, ein Nischenberuf. Ich habe mich ja nicht noch weiter spezialisiert. Ich spiele Naturtrompete und zeitgenössische Musik – und alles dazwischen. Ich spiele mit Sinfonieorchestern, mit Orgel, mit kleinen Ensembles, mit Gitarre. Ich bin da sehr breit aufgestellt. Ich spiele wirklich viel und alles ist sehr unterschiedlich. Ich spiele nicht einfach nur Trompete, ich mache Musik wirklich sehr vielseitig. Routine gibt es bei mir nicht – und die will ich auch nicht.

  • 30.09.2016
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2016
  • Seite 10-12

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