Zum Musikbild der Romantik: Töne aus dem Geisterreich

Unterschiedliche Ansichten: Goethe, Beethoven und Hoffmann (Fotos: Gemälde von Joseph Karl Stieler (2), Alte Nationalgalerie)

Erst die Romantiker haben die Musik wirklich ernst genommen – aber vielleicht haben sie es dabei etwas übertrieben. Ihre Metaphysik der Instrumentalmusik prägt unser Konzertleben bis heute.

Goethe und Beethoven: Zwei unterschiedliche Charaktere

Der gefeierte Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) war noch ganz ein Kind des aristokratischen 18. Jahrhunderts. Jüngere (romantische) Zeitgenossen nannten ihn böswillig einen »Fürstenknecht«. Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) schrieb: »Goethe behagt die Hofluft zu sehr.«

Berühmt wurde die Anekdote, wie Goethe und Beethoven 1812 im Kurbad Teplitz der jungen Kaiserin von Österreich-Ungarn (Maria Ludovica Beatrix) und ihrem Gefolge begegneten. Während Beethoven frech durch die kaiserliche Gruppe hindurchschritt, trat Goethe respektvoll zur Seite und zog ehrerbietig seinen Hut.

Goethe und die Musik: kein Eigenwert

Auch Goethes Auffassung von Musik kam noch ganz aus der höfischen Ära. Der Dichter verstand die Tonkunst vor allem als eine nette Untermalung von Gesprächen, Mahlzeiten oder Spielen. Musik schaffe eine »gesellige Verbindung der Menschen, ohne bestimmtes Interesse, mit Unterhaltung«, meinte er, sie sei »das unschuldigste Bindungsmittel der Gesellschaft«.

Wirklich zur Kenntnis genommen hat Goethe die Musik allenfalls bei Vertonungen seiner eigenen Gedichte. Für ihn war dabei klar: Die Musik hat den Text zu »tragen« und zu »fördern«, sie muss die Dienerin der Worte sein. Selbst das »Durchkomponieren« seiner Gedichte – anstelle einer identisch wiederholten Strophenmelodie – lehnte er ab.

Da er der Musik keinen Eigenwert zugestand, nahm er eine bloß instrumentale Musik gar nicht ernst. Musik sei nichts ohne die menschliche Stimme, meinte er. Nie hätte Goethe die Musik als eine gleichberechtigte Kunstform neben Literatur, Malerei oder Bildhauerei anerkannt.

Dateien:

  • 17.01.2020
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2019
  • Seite 48-49

« zurück