Zum 90. Geburtstag von Stan Getz: Das Saxofon der Bossa Nova

In den Bars und Bistros hört man es noch jeden Sommer: »The Girl from Ipanema«. Doch der Mann, der Brasiliens Bossa Nova einst weltberühmt gemacht hat, war ein Jazzsaxofonist aus den USA – man nannte ihn einmal den »weißen Gott des Cool Jazz«. Am 2. Februar 2017 wäre Stan Getz 90 Jahre alt geworden.

Stan Getz in Europa

Im Sommer 1958 ging der Saxofonist Stan Getz (1927 bis 1991) nach Europa – dafür gab es mehrere Gründe. Seine schwedische Ehefrau erwartete damals ein Kind und wollte es in der »Heimat« zur Welt bringen. Sein amerikanischer Produzent Norman Granz war gerade (aus Steuergründen) in die Schweiz übergesiedelt – die von Granz organisierte JATP-Tournee führte Stan Getz ohnehin durch Europa. Und nicht zuletzt wünschte sich der Saxofonist etwas Abstand vom hektischen Konkurrenzkampf der New Yorker Jazzszene.

In Dänemark fand er Zeit für seine Familie. Er machte das neue »Café Montmartre« in Kopenhagen zu seinem Stammclub und reiste gelegentlich zu einem Engagement in eine von Europas Metropolen. Er genoss die Wertschätzung des europäischen Publikums und das entspannte »kreative Klima«. Er war 31 und musste sich von einer Karriere erholen, die ihn wie ein Wirbelwind mitgerissen hatte.

Eine rasante Karriere

Mit 15 Jahren hatte er die Schule abgebrochen, war Profimusiker bei Jack Teagarden geworden, stürzte hinein in eine Welt der One-Nighters, Clubs und Drogen. Der Teenager behauptete sich in den besten Bigbands – bei Stan Kenton, Jimmy Dorsey, Benny Goodman.

Mit 18 Jahren heiratete er erstmals, mit 20 ging er zu Woody Herman und wurde ein Teil des »Four-Brothers«-Sounds. Mit 22 stieg er bei Herman durch ein kurzes Solo über »Early Autumn« praktisch über Nacht zum Jazzstar auf: Sein sanfter, flötenleichter Klang auf dem Tenorsaxofon wurde zum Ideal des Cool Jazz erklärt.

Getz wurde Bandleader, bekam Plattenverträge, gewann Leser-Polls – gleichzeitig zog es ihn immer tiefer in den Drogensumpf. Mit 27 drehte er durch und überfiel einen Drugstore, die Fotos von seiner Festnahme gingen um die Welt. Es folgten sechs Monate Haftstrafe, Drogenentzug, Abbitte-Briefe an die Jazzwelt, Scheidung der Ehe.

Zwei Jahre später heiratete er erneut. Dann: das strahlende Comeback als Saxofonist. Der Produzent Norman Granz machte ihn zum Star des swingenden Mainstream-Jazz. Allein im Oktober 1957 spielte Stan Getz auf einem Dutzend Live- und Studioproduktionen mit Oscar Peterson, Ella Fitzgerald, Dizzy Gillespie u. a.

  • 22.02.2017
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 52-53

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