Zum 50. Todestag von Coleman Hawkins

Coleman Hawkins (Foto: William P. Gottlieb collection at the Library of Congress)

Er gilt als der wahre »Vater« des Saxofons, jedenfalls im Jazz. Dank Coleman Hawkins (1904 bis 1969) wurde das Tenorsaxofon in den 1930er Jahren zum führenden Instrument der Jazzwelt. Es löste damit die Trompete ab, die seit den frühen Kornett-Meistern von New Orleans als die Königs stimme des Jazz gegolten hatte.

Angeblich hat er am Hauptbahnhof von Hamburg 1934 ein Glas Bier getrunken – aber weiter hinein nach Deutschland ließen sie ihn nicht. Coleman Hawkins war zwar der große Star, aber er war auch der einzige Afroamerikaner in Jack Hyltons englischem Orchester.

In Deutschland unerwünscht

Im rassistischen Nazi-Deutschland war »der Welt größter Saxofonist« – so feierte man ihn damals in Europa – unerwünscht. Also reiste das Orchester ohne ihn weiter – und Hawkins traf keinerlei Anstalten, zur Band zurückzukehren. Er machte sich vielmehr nun allein auf den Weg, gastierte in Belgien, Dänemark, England und der Schweiz, nahm in Paris mit Django Reinhardt auf und ließ sich vorübergehend in den Niederlanden nieder.

Fünf Jahre blieb er in Europa und wurde zum Einzelkämpfer, zum einsamen Wolf. Auch später, wieder in den USA, zog er ohne Band von Club zu Club, von Stadt zu Stadt. Ein Revolverheld am Tenorsaxofon mit einem riesigen Ego und einem unstillbaren Appetit – »ein Löwe von einem Mann«, wie der Jazzhistoriker Gunther Schuller schreibt. »Hawk« war der Beste, der Größte, der Unschlagbare. Er nahm jede Herausforderung an.

Rückkehr nach New York

Als er 1939 von Europa nach New York zurückkam – gerade rechtzeitig vor Kriegsbeginn –, war es, als käme ein König vom Kreuzzug nach Hause. In der Hauptstadt des Jazz hatte sich in der Zwischenzeit die Zahl seiner Bewunderer, Neider, Konkurrenten und Nachahmer vervielfacht.

Eines der größten Saxofonsoli der Jazzgeschichte

Also musste der heimgekehrte Regent ein Zeichen setzen und seine Macht demonstrieren. Coleman Hawkins ging ins Aufnahmestudio und blies eines der größten Saxofonsoli der Jazzgeschichte. Angeblich entstand dieses »Body and Soul« nur aus Verlegenheit, um eine vierte Plattenseite zu füllen. Aber wer mag das glauben angesichts einer Improvisation wie aus einem einzigen genialischen Guss, einer Improvisation, in der sich Dynamik, Dringlichkeit und Ausdruck, auch rhythmische Dichte und die Tonhöhen vom ersten bis zum letzten Takt immer weiter steigern?

  • 25.06.2019
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 42-43

« zurück