Zum 100. Geburtstag von Schlagzeuger Art Blakey: Der Mann hinter den Bläsern

Foto: Heinrich Klaffs – https://www.flickr.com/photos/heiner1947/4515737952/in/set-72157623716372235/, CC BY-SA 2.0

Zahlreiche Bläsersolisten hat er mit seinem Spiel gepusht, inspiriert und geformt. Der Saxofonist Benny Golson sagte: »Art Blakey verfügt über die seltene Fähigkeit, vom Schlagzeug aus anderen etwas beizubringen.«

Blakey dirigierte seine Bläser vom Schlagzeug aus

Sein Schlagzeugspiel war immer ein Erlebnis. Der dunkle, fast bedrohliche Beckenklang, die unerschütterlichen Akzente der Hi-Hat auf 2 und 4, die warme, sonore Snaredrum. Und dann natürlich die berühmten Crescendo-Wirbel, diese »Press Rolls«, die sich vom Flüstern bis ins Fortissimo steigerten, manchmal innerhalb eines halben Takts, manchmal in einem langen Anlauf über 40 Takte.

Diese »Rolls« enden gewöhnlich mit einem lauten Akzent oder fallen einfach ins Nichts. Sie markieren den Beginn eines neuen Solos – oder sie sind ein mahnendes Signal an den Solisten, jetzt endlich einmal einen Gang zuzulegen. Wenn Art Blakey (1919 bis 1990) seine »Press Rolls« auffuhr, blies mancher Saxofonist gleich doppelt so laut wie sonst, nur um noch gehört zu werden.

Blakey wusste, wie man Spannung aufbaut, Energie freisetzt, Dynamik manipuliert. Er dirigierte seine Bläser vom Schlagzeug aus, er inspirierte sie und gab ihnen Kraft, er hatte die Entwicklung der Musik immer im Griff. »Mit Art Blakey am Schlagzeug kann man nicht irgendwelchen Mist spielen«, sagte der große Trompeter Miles Davis. »Man muss sich zusammennehmen.«

Musikalische Einflüsse

Von Chick Webb und Big Sid Catlett hatte Art Blakey das Wichtigste gelernt – sie waren kraftvolle Swing-Drummer, laute Bigband-Antreiber. Dann aber, 1942, als viele Schlagzeuger zur US Army eingezogen wurden, verschlug es den 22-Jährigen aushilfshalber in eine Bigband ganz neuer Art.

Das Begleitorchester des Sängers Billy Eckstine war so etwas wie die Embryo-Formation des Bebop. Als Eckstines künstlerischer Leiter fungierte der Trompeter Dizzy Gillespie, das eigentliche Genie bei der Erfindung des modernen Jazz.

Gillespie hat Blakeys Schlagzeugstil mit Nachdruck korrigiert, den Bedürfnissen des komplexen Bebop angepasst. Doch seine swingende Wucht, seinen lauten Push verlor Blakey nie. Dem Trompeter Kenny Dorham, der in der Eckstine-Band direkt neben dem Schlagzeug saß, soll beim ersten Auftritt mit Blakey im Ohr das Trommelfell geplatzt sein.

  • 02.10.2019
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 10/2019
  • Seite 50-51

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