Zeppelin-Sinfonie - Impressionen einer neuen Komposition von Thomas Doss

Am 8. November findet im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen die Welturaufführung der Zeppelin-Sinfonie von Thomas Doss statt. Das Stadtorchester Friedrichshafen wird die Auftragskomposition zu Gehör bringen. clarino.print bat den Dirigenten David L. Gilson um einige Anmerkungen.

"David hat mich bei der Sommerakademie in Marktoberdorf angesprochen ob ich Lust hätte eine Sinfonie zu schreiben. Seine glänzenden Augen verrieten mir, dass er es ernst meinte und so hab ich mir erklären lassen, worum es genau geht.
Er hat mich damals schon mit seiner Begeisterung angesteckt und so habe ich ihm meine Bereitschaft spontan zugesagt. Ein halbes Jahr später hatte er mich angerufen und mir mitgeteilt, dass die Finanzierung steht und im Juli darauf bin ich nach Friedrichshafen gereist und habe mir eine Probe des Orchesters angehört und mich in das Zeppelinmuseum einführen lassen um dort
meine ersten Eindrücke zu sammeln. Vom Orchester kannte ich bereits einige Musiker, wie zum Beispiel den fantastischen Fagottisten, dessen Name ich leider nicht weiß. Es war dies quasi eine Studienreise bei der wir auch bereits Presseinterviews gegeben hatten und ich auch von den Kulturverantwortlichen der Stadt Friedrichshafen einen sehr guten und bemühten Eindruck hatte. Auch der Direktor des Museums hat mich einer derartigen Kompetenz belehrt, dass während der Führung bereits die ersten Ideen zum Stück entstanden sind. Bei einem Spaziergang am Bodenseeufer ist in meinem Kopf bereits die Dramaturgie des Stückes entstanden:
I. Idee fixe – II. Machines – III. Whale in the Sky – IV. Reincarnation.
Die Idee fix war von Anfang an in meinem Kopf und beschreibt den Grafen Zeppelin
in seiner Besessenheit seine Idee umzusetzen. Eine 2. Reise nach Friedrichshafen war meinerseits angedacht, aber das war dann nicht mehr notwendig, da das Stück nach einer Zeit von 3 Monaten bereits am Papier war. Das war also meine Idee fix. Das Thema des ersten Satzes zieht sich
durch die ganze Sinfonie. Es hat mich selbst so gepackt, dass es mir sogar im Traum immer wieder untergekommen ist (und zwar als Thema einer Messe mit den Worten: Miserere).
Das Werk ist rund 30 Minuten lang und ich würde es mit Grad 5 einschätzen. Stilistisch bin ich meiner Linie treu geblieben, die ich bei größeren Werken schreibe. Einen expressionistischen Stil mit romantischen und impressionistischen Elementen. Aber auch durchaus Passagen die kurzfristig
ins zeitgenössische Antlitz weg gleiten.
Ich glaube, dass die Musik sehr abwechslungsreich ist, aber durchaus der rote Faden gegeben ist. Jeder Satz unterscheidet sich in seinem Wesen grundlegend vom anderen. Ich glaube, da liegt auch die Herausforderung und Problematik. Der erste Satz ist sehr linear und auf "Richtung" ausgelegt. Der zweite in der Wucht eines Brucknerscherzos. Der dritte Satz entrückt in eine andere Welt und lebt von der leisen Dynamik. Der vierte Satz braucht Kraft und ist sehr abwechslungsreich.
David hat mich wirklich sehr animiert ein großes Stück Blasmusik zu schreiben und sollte dies nur im Ansatz gelungen sein, so ist es sicher auch sein Verdienst. Mittlerweile hat auch Walter Ratzek mit seinem Orchester das Werk auf CD eingespielt und ich bin guten Mutes, dass er dies mit seiner gewohnten Kompetenz getan hat." Thomas Doss

  • 21.09.2011
  • Repertoire
  • David L. Gilson
  • Ausgabe: 11/2008
  • Seite 64

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