Workshop-Reihe »Trompete Total« in Koblenz

Koblenz mutiert zum deutschen Trompeten-Mekka. Mitte Oktober fand dort das Festival »Trompete ­Total« zum zweiten Mal im Görreshaus statt. Organisiert und initiiert hat es Tobias Jacobs mit seinem Team vom Bläserstudio Koblenz. Knapp 50 Teilnehmer folgten dem Ruf und buchten die Workshops bei sechs namhaften Trompetern. Außerdem konnten sie bei der Ausstellung Zu­behör sowie Instrumente testen.

Dozenten für jeden Geschmack

Trompeter sind vielseitig interessierte Musiker. Klassik, Jazz, traditionelle Blasmusik oder Musikarten der Popkultur wie Hip-Hop, Funk oder Ska – mit einer Trompete kann man eigentlich nichts falsch machen, das Instrument ist in allen Genres zu Hause. Und so hatte »Trompete Total«-Initiator Tobias Jacobs Dozenten für jeden Geschmack eingeladen, bei denen die Teilnehmer sowohl Gruppenworkshops als auch – und das ist das große Schmankerl von »Trompete Total« – Einzelworkshops buchen konnten. 

Für die Klassik war Phi­lippe Schartz zuständig. Der Luxemburger ist Solo-Trompeter des BBC National Orchestra of Wales, einem der fünf großen Sinfonieorchester der BBC. Er erarbeitete in seinen Kursen mit den Teilnehmern ­große Trompetenkonzerte wie das Konzert von Joseph Haydn oder Georg Philipp Telemann und entpuppte sich gegenüber den Teilnehmern als großer Motivator. Am Freitagabend war Schartz alles andere als müde und entführte die Besucher zusammen mit Yamaha-Entwicklungsleiter Thomas Lubitz in die Welt des »Trompeten-Tunings«. 

Als Grenzgänger zwischen den Welten war Martin Hutter eingeladen, der von seinen Erfahrungen zwischen den beiden Ensembles »Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – Das Original« und »Moop Mama« berichtete. Sein Gruppenworkshop, im mittelalterlichen Ambiente des Görreshauses, wo normalerweise die Rheinische Philharmonie untergebracht ist, war augenscheinlich der meist be­suchte Kurs. Auch seinen morgendlichen »Frühsport« verpassten nur wenige Kursteilnehmer.

Einen erstklassigen High-Note-Player hatten die Organisatoren mit Andrea Tofanelli zu Gast, der auch schon öfter Konzerte im Bläserstudio gegeben hatte. Der sympathische Italiener mit seiner lockeren Art entlockte den Teilnehmern mit einem lockeren »just blow« die höchsten Töne.

Jazztrompeter Jan Schneider, Jahrgang 1978, ist einer der führenden Lead- und Bigband-Trompeter Deutschlands und spielte schon in den Bands, die Udo Jürgens und Roger Cicero begleiteten. Da­rüber hinaus unterrichtet er Trompete an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

Andreas Stickel und Daniel Ackermann sind die beiden Konstanten und Local Heroes des Festivals. Sie geben jedes Jahr Workshops bei »Trompete Total«. Das liegt unter anderem auch an ihrem Standort. Andreas Stickel ist seit 2008 der Solotrompeter des Staatsorchesters Rheinische Philharmonie Koblenz. Daniel Ackermann ist ein gefragter Trompetenpädagoge im Raum Koblenz, der nach der Methode Malte Burbas unterrichtet und dessen Netzwerk angeschlossen ist.

Termin 2019

Der Termin für das kommende Jahr steht schon. »Trompete Total« in der dritten Auflage ist vom 18. bis 20. Oktober im Terminkalender des Bläserstudios Koblenz fix.

Teilnehmerstimmen

  • Volker Brandenburg, Autohändler: »Ich war bei Daniel Ackermann in der Einzelstunde, das fand ich super. Er hat mir was über Atmung und Stütze erzählt und über die Malte-Burba-Methode. Auch die Einstellung zum Üben fand ich toll.
    Dann war ich bei Martin Hutter, und der spielt ja auch mit sehr großer Bandbreite. Er hat uns gezeigt, wie man leicht spielt, das war sehr toll. Es hat auf ­jeden Fall sehr viel Spaß gemacht und man hat sehr viel Neues gehört. Jetzt habe ich bis nächstes Jahr schon wieder so viel ­Neues zu üben, eigentlich müsste man den Job an den Nagel hängen und einfach nur Musik machen.«
  • Matthias Siegel, Trompetenlehrer: »Ich bin wegen Andrea Tofanelli gekommen, ganz speziell wegen seiner Fähigkeit der hohen Trompete im Jazz-Bereich. Gerade weil ich mich auf ein Projekt mit der Musik von Maynard Ferguson vorbereite und Tofanelli da eine Koryphäe ist. Da habe ich mir erhofft, ein paar Inspirationen zu finden und habe sie bekommen. Es ist eine schöne Chance, viele Musiker zu sehen und sich weiterzubilden.«
  • Andreas Baumann, Künstler: »Generell muss ich sagen, dass die Organisation sehr stringent und sehr klar strukturiert ist. Man bekommt sofort Antwort, weiß immer, was wann wo passiert. Ich habe an einem Workshop mit Andreas Stickel teilgenommen, er kam sehr gut auf den Punkt und hat jeden da abgeholt, wo er stand. Er hat eine sehr bildhafte Sprache benutzt, die uns Spielern sehr geholfen hat – auch in der Unterschiedlichkeit unserer Fähigkeiten. Das fand ich sehr gut.
    Die Stände finde ich sehr gut, die Anzahl der Trompeten war enorm, das ist fast ein bisschen erschlagend, ansonsten fand ich die Informationen hinsichtlich des Baus der Yamaha-Trompeten sehr klar aufgestellt.«

Kurzinterview mit Organisator Tobias Jacobs

»Trompete Total« ist in vollem Gange. Wie ist die Resonanz der Teilnehmer?

Wir sind hochzufrieden. Wir schreiben natürlich im Hintergrund immer auf, was besser werden kann. Aber dafür, dass wir erst im zweiten Jahr sind, haben wir schon viele Sachen verbessert, die im vergangenen Jahr angesprochen wurden. 

Wie viele Teilnehmer sind dabei und was macht für sie »Trompete Total« so reizvoll?

47 aktive Teilnehmer sind hier, das sind 50 Prozent mehr als 2017. Die Workshops wurden sehr gut angenommen, insbesondere die Coaching-Geschichten. Ge­rade die sind der Punkt, die das Festival von Veranstaltungen unterscheidet, bei denen nur Meisterkurse für Gruppen angeboten werden. Dieses Face-to-Face ist es, das wir in den kommenden Jahren mehr ausbauen werden, um den Leuten die Möglichkeit zu geben, direkt mit ihren Idolen in Kontakt treten zu können.

Woher kommen die Teilnehmer und wie werden sie auf das Festival aufmerksam?

Das Ganze funktioniert organisa­torisch über www.trompete-total.de. Die Ausschreibungen werden zu Ostern ver­öffentlicht. Über die sozialen Medien und die einschlägigen Trompeten-Foren haben wir eine Zielgruppe im deutschsprachigen Raum. Die drei Länder sind hier definitiv vertreten. 

Aus Luxemburg und den Niederlanden hatten wir im vergangenen Jahr zwei Kandidaten. Der nördlichste Teil­nehmer kommt aus Cux­haven, und die südlichste Teilnehmerin aus Niederösterreich.

Die Dozenten sind jedes Jahr andere, richtig?

Ja. Wir versuchen die Dozenten möglichst bunt zu halten, also alle Genres abzudecken. Von der Blasmusik bis zur Avantgarde bis zum Jazz und zur Klassik. Und da helfen uns die unterstützenden Firmen mit den Endorsern. Gleichzeitig haben wir einfach mal geguckt, was eine Eingangsvoraussetzung ist. 

Es geht ums Lernen und Lehren, und da haben wir gesagt: Wenn jemand in Europa eine Professur hat oder eine Lehrtätigkeit ausübt, dann ist das für uns die Eingangsvoraussetzung. Dementsprechend bin ich hergegangen, habe alle deutschen Hochschulen angeschrieben und den Professoren das Format vorgestellt. 

Das Echo war überwältigend. Von 73 angeschriebenen Instituten habe ich von 50 ­sofort eine Antwort bekommen. Ich habe dann auf die Bremse getreten, alles gespeichert und dann schrittweise angefangen, zu planen, was wir wann mit wem machen können.

Wird das Konzept vom Bläserstudio auch auf andere Instrumente übertragen? Also »Klarinette Total« oder »Posaune Total«?

Nein. Das liegt aber an meiner ­Expertise, die bei der Trompete liegt. Man muss vernetzt sein und sich in die Leute ­hineinversetzen können, die solche Angebote suchen. Die Teilnehmer hier sind sehr interessiert und sehr bei der Sache, das findet man sonst, wenn man täglich mit Kunden zu tun hat, nicht so oft. Der Fokus liegt total auf der Trompete. Das liegt vielleicht daran, dass die Organisatoren alle Blechbläser sind und wissen, was die Teilnehmer wollen. Wir wissen, wie die ticken.

  • 09.01.2019
  • Szene
  • Christine Engel
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 46-47

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