Willkommen im Zeitgitter - Rhythmus-Workshop (9)

  • 30.10.2015
  • Praxis
  • Wolfgang Schüler
  • Ausgabe: 11/2015
  • Seite 19-23

Hallo liebe Clarino-Rhythmus-Workshop-Freunde, ich begrüße Sie ein weiteres Mal – diesmal zu Folge 9. Dieses Mal geht es noch einmal um ungerade Takte. Sie bekommen eine Reihe ganz verschiedener Übungen dazu. Und ich weise auf ein paar Fallstricke – ­speziell bei ungeraden Takten – hin.

Es ist natürlich sinnvoll, die klassischen Fehler beim Umgang mit ungeraden Takten und generell beim Interpretieren rhythmischer Anweisungen zu kennen, so wie man beim Klettern erst wissen sollte, wo Gefahren lauern – und dann in die Wand einsteigt.

Betrachten wir Abbildung 1 mit einem ⁷/₈- und einem ⁵/₈-Takt: Diese Notierung ist typisch, wenn eine klare Aufgliederung in 2er- und 3er-(Achtel-)Gruppen vorliegt.

Nun verführt diese 3er-Gruppe hinten oftmals Musiker dazu, dieselbe als Achteltriole auszuführen (mit * gekennzeichnet, siehe Abbildung 2). Wäre es nicht ein Themenbeispiel, müsste man mir glatt die Musikerlizenz entziehen für dieses falsche Notenbild.

Aus dem ⁵/₈- wird ein ⁴/₈- und dem ⁷/₈- ein ⁶/₈-Takt gemacht (siehe Abbildung 3). Dass dies nicht im Sinne des Komponisten ist, dürfte klar sein. Und wenn dann auch noch in einem Ensemble bzw. Orchester die einen die richtige Version und die anderen die falsche Triolenversion gleichzeitig spielen... na ja, das überlasse ich Ihrer Fantasie. Möglicherweise wird der Dirigent vorübergehend die Probe verlassen, um im Foyer ein paar Möbel zu zertrümmern und anschließend eine Handvoll Beruhigungstabletten einzuwerfen...

Allerdings liegt die Schuld oft nicht nur beim Musiker. Nehmen wir eine hektische Probe für ein erstes Durchspielen und dazu eine lausig geschriebene Partitur: Da kann so etwas schon mal passieren. Wenn ich daran denke, was für schlampige, fehlerstrotzende Notenblätter ich im Laufe meiner 35 Musikerjahre schon in den Händen hielt bzw. auf dem Notenständer vor mir stehen hatte... Besonders anfällig scheinen mir Partituren mit Swing-Arrangements sowie ältere Schlager und Operettenauszüge zu sein (siehe Abbildung 3.1).

In Beispiel A ist alles richtig – auch wenn die drei Achtelnoten an die Triolenfigur erinnern. Sicherer wäre es, nur bei den Achteln auf »4« und »4+« die Balken zu verbinden. Allerdings kann es aus Gründen zum Beispiel bei der Phrasierung oder Motivarbeit sinnvoll sein, alle drei Achtelnoten zu verbinden.

Über Wolfgang Schüler

Jahrgang 1964, hat Schlagwerk und Klavier am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg studiert. Seine besondere Liebe und Neugier gilt dem Rhythmus und der Harmonik. Er ist in allen Epochen und Richtungen zu Hause – in Klassik, Jazz, Funk, Latin, Pop und was sonst so auf den Schubladen draufsteht. Ebenso in Recordingstudios, als Softwaretester, (Filmmusik-)Komponist, als Schlagzeuger in Heavy-Metal-Bands und Jazzcombos, als Klaviersolist und Klavierbegleiter für Sänger, Quartette, Quintette und manches mehr... und besonders gerne als Lehrer bei Workshops für Rhythmik mit fortgeschrittenen Musikern. In internationalen Fachkreisen bekannt wurde er durch die Veröffentlichung dreier Schlagzeugbücher. Ein Teil seines Hirns ist die meiste Zeit mit rhythmischen und harmonischen Überlegungen beschäftigt, was er am besten mit Sport unterbrechen kann. Unter www.terradrummica.de finden sich weitere Informationen über sein Treiben und Schreiben.

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