Willkommen im Zeitgitter - Rhythmus-Workshop (8)

Herzlich willkommen zur 8. Folge Des CLARINO-Rhythmus-Workshops! Wussten Sie eigentlich, dass »Rhythmus« zu den 500 am häufigsten falsch­geschriebenen Wörtern zählt? Muss man nicht wissen... aber wenn man viel Literatur darüber durcharbeitet, fällt es schon auf... Nun gut, das soll nicht unser Thema sein – wir haben eine größere Herausforderung vor uns: ein Thema, das vielen Musikern immer wieder ein flaues Gefühl in der Magengrube beschert: Ungerade Takte.

So, jetzt ist es raus! – HALT! – Bleiben Sie hier! Wie so oft verliert nämlich auch dieses Thema seinen Schrecken, wenn man sich in Ruhe damit auseinandersetzt.

Ungerade Takte

Ganz grundsätzlich sei erst einmal gesagt, dass es ein himmelweiter Unterschied ist, ob man ein notiertes Stück im ungeraden Takt spielt oder ob man frei improvisiert – zweiteres ist um Welten schwieriger.

Hier befassen wir uns zuerst mit notierten, allgemein bekannten Stücken in ungeraden Metren – und es gibt da viel mehr als man vermutet... ja, es gibt sogar Top-Ten-Hits. Auch im Jazz (kennen Sie »TAKE 5«?) kommen sie vor und in der lateinamerikanischen und afrocubanischen Musik.

Und wer kennt nicht Carl Orffs »Carmina Burana«? Oder haben Sie mal im Griechenland-Urlaub der dortigen Musik gelauscht und erstaunt festgestellt, dass da lauter Stücke in ⁵/₈ und ⁷/₈ erklingen – ⁴/₄-Takte dagegen geradezu exotisch sind?

Oder hatten Sie je das Glück, in einem einfachen Wirtshaus in einem echten Volksmusikabend (nicht »volkstümliche Musik«!) zu landen? Der wunderschönen Stubenmusik zu lauschen und bei den sogenannten »Zwiefachen« überrascht von den ausgebufften Wechseln zwischen ²/₄- und ³/₄-Takt die Ohren aufzustellen?

Keine Angst vor Unbekanntem

Die Moderne lässt sich eher schlecht dazuzählen. Zwar findet sich dort jede nur denkbare Taktart, aber als »allgemein bekannte Stücke« würde ich diese Werke nicht bezeichnen und allermeistens haben diese komplexen metrischen Gebilde eine mathematisch-theoretische, abstrakte Funktion – was ich nicht abwertend meine: Ich stoße auch immer wieder auf Kompositionen, die ich einfach nicht verstehe – zumindest anfangs nicht. Aber ich halte es für einen Fehler, Dinge, die man nicht versteht, als albern oder sonstwie negativ zu bewerten. Also bleibe ich entweder dran oder lege das Stück vorerst auf Eis.

Ein Hit im 7/4-Takt

Nun denn, so wollen wir uns ein paar dieser Stücke näher ansehen. Beginnen möchte ich mit Peter Gabriels »Solsbury Hill« aus dem Jahr 1977. Und wer hätte das gedacht – ein Hit im ⁷/₄-Takt! Und wie elegant – erst beim Mitzählen fällt eigentlich auf, dass das Stück im ⁷/₄-Takt steht.

Über Wolfgang Schüler

Jahrgang 1964, hat Schlagwerk und Klavier am Leopold-Mozart-Konservatorium in Augsburg studiert. Seine besondere Liebe und Neugier gilt dem Rhythmus und der Harmonik. Er ist in allen Epochen und Richtungen zu Hause – in Klassik, Jazz, Funk, Latin, Pop und was sonst so auf den Schubladen draufsteht. Ebenso in Recordingstudios, als Softwaretester, (Filmmusik-)Komponist, als Schlagzeuger in Heavy-Metal-Bands und Jazzcombos, als Klaviersolist und Klavierbegleiter für Sänger, Quartette, Quintette und manches mehr... und besonders gerne als Lehrer bei Workshops für Rhythmik mit fortgeschrittenen Musikern. In internationalen Fachkreisen bekannt wurde er durch die Veröffentlichung dreier Schlagzeugbücher. Ein Teil seines Hirns ist die meiste Zeit mit rhythmischen und harmonischen Überlegungen beschäftigt, was er am besten mit Sport unterbrechen kann. Unter www.terradrummica.de finden sich weitere Informationen über sein Treiben und Schreiben.

  • 28.09.2015
  • Praxis
  • Wolfgang Schüler
  • Ausgabe: 10/2015
  • Seite 14-16

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