Willkommen: Die Sächsische Bläserphilharmonie organisiert einen Integrationstag für Asylbewerber

Musik wird überall verstanden. Der Erste Nordsächsische Integrationstag am 10. Mai setzte daher ganz auf die universelle Kraft der Töne. Rund 500 Flüchtlinge und Asylbewerber waren eingeladen, verschiedene Workshops bei Mitgliedern der Sächsischen Bläserphilharmonie zu besuchen. Abends gaben Profi-Bläser und Asylbewerber ein gemeinsames Konzert.

»Der Integrationstag war ein riesiger Erfolg«, meint Thomas Clamor, Chefdirigent der Sächsischen Bläserphilharmonie. »Hoffentlich werden dadurch weitere Menschen und Institutionen angeregt, ähnliche Projekte auf die Beine zu stellen.«

Flüchtlinge musikalisch willkommen heißen

Die Idee, den Flüchtlingen ein musikalisches Willkommen zu bieten, kam Clamor während einer Autofahrt. »Es war Ende 2014, als ich zufällig im Radio hörte, wie Michael Czupalla, der Landrat von Nordsachsen, über die Asylproblematik in seinem Kreis sprach«, erinnert sich der Musiker. »Ich beschloss, mit meinen Möglichkeiten zu helfen. Mir kam der Einfall, ein Konzert mit den Asylbewerbern zu organisieren. Beim Weihnachtsempfang in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin habe ich zusammen mit Landrat Czupalla den Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich angesprochen, der sogleich von der Idee begeistert war.«

Stattfinden sollte das Ganze in Delitzsch, einem Städtchen mit 25 000 Einwohnern im Ballungsgebiet zwischen Halle, Leipzig und Bitterfeld; umringt von Gewerbe- und Industriegebieten. Tourismus findet hier kaum statt, was der Aufgeschlossenheit gegenüber Fremden nicht gerade förderlich ist.

Teilhabe am kulturellen Leben ist wichtig für eine gelungene Integration

Thomas Clamor vertraute auf das Vermögen der Kunst, Brücken zu bauen, wo Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede die Verständigung erschweren. »Zu einer gelungenen Integration gehört die Teilhabe am kulturellen Leben«, erklärt er. Insbesondere Musik, die ja meist mit gemeinschaftlicher Aktivität einhergeht, sei dafür wie gemacht.

Clamor fiel es nicht schwer, die entscheidenden Ansprechpartner zu überzeugen. »In Politik und Verwaltung bin ich mit meiner Idee in offene Türen gelaufen«, erzählt der Chef der Sächsischen Bläserphilharmonie. »Trotzdem kamen schnell einige hundert Stunden Arbeit zusammen. Wir mussten ja auch die Sozialarbeiter erreichen, die letztlich im direkten Kontakt mit den Asylbewerbern stehen.

  • 23.06.2015
  • Szene
  • Antje Rössler
  • Ausgabe: 7-8/2015
  • Seite 48-51

« zurück