Wie das Saxofon in den Jazz kam

  • 15.12.2017
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2017
  • Seite 46-47

Um 1920 explodierte die Popularität des Saxofons. Die Industrie warb sogar mit einem fünfminütigen Saxofon-Schnellkurs für die ganze Familie. Aus den Teenagern, die sich damals auf das Mode-Instrument stürzten, wurden einige der ersten großen Saxofonisten des Jazz.

Das Sinnbild des Jazz

Viele sehen im Saxofon das Sinnbild des Jazz. In der Tat haben Saxofonisten die Jazzgeschichte geprägt – von Coleman Hawkins und Lester Young über Charlie Parker und Stan Getz bis hin zu Sonny Rollins und John Coltrane. Bis heute ist das Saxofon das im Jazz am häufigsten gespielte Blasinstrument.

Schon Alfred Baresel, der Verfasser des ersten deutschen Jazzbuchs, nannte das Saxofon einst »das wichtigste Melodie-Instrument des Jazz« – das war 1926. Der Held in Ernst Kreneks Jazz-Oper »Jonny spielt auf« (1927) bläst selbstverständlich Saxofon. Ebenso Harry Haller, die Hauptfigur in Hermann Hesses Roman »Der Steppenwolf« (1927).

Die ursprüngliche Instrumentierung im Jazz

Dennoch war das Saxofon ursprünglich gar kein Jazz-Instrument. Bei den ersten Jazzbands aus New Orleans spielte es bis 1920 keine Rolle. Kornett, Albert-Klarinette und Zugposaune – das war das Bläsertrio, das im frühen Jazz den Ton angab.

Hervorgegangen ist diese Besetzung aus den Brassbands von New Orleans. Deren übliche Instrumentierung bestand aus drei Kornetten, zwei Posaunen, zwei Klarinetten, zwei Hörnern, einer Tuba, Snare Drum und Bass Drum. Niemand vermisste da ein Saxofon.

Der Boom des Saxofons

Dabei erlebte dieses Instrument 70 Jahre nach seiner Erfindung gerade einen sensationellen Boom. 1914 registrierte ein führender amerikanischer Saxofonhersteller (Buescher) einen Anstieg der Nachfrage um 200 Prozent. 1915 hieß es: »Das Saxofon gewinnt wahrscheinlich schneller an Popularität als jedes andere ernsthafte Musikinstrument.«

Allein im Jahr 1920 wurden in den USA rund 100 000 Saxofone hergestellt. Der Saxofonist Rudy Wiedoeft eroberte den Broadway, und auch die bestbezahlte Showtruppe auf Amerikas Bühnen war ein Saxofonsextett: die Brown Brothers. »Tausende stürzten sich zwischen 1914 und 1917 aufs Saxofon«, schreibt der Historiker Bruce Vermazen.

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