Werkvorstellung: »Martin Luther – Szenen eines rebellischen Lebens« von Thorsten Reinau

Wie will man das außerhalb akademischer Kreise kaum noch genutzte Wort »interdisziplinär« erklären? Denkbar wäre folgende Antwort: Wenn ein Musiker nach der Lektüre einer historischen Biografie über eine theologisch nach 500 Jahren immer noch relevante Persönlichkeit zum Schreiben einer Komposition über eben diese Person angeregt wird. So geschehen bei Thorsten Reinau und seinem Konzertwerk »Martin Luther – Szenen eines rebellischen Lebens«.

Thorsten Reinaus Faszination für Luther

Katalysator war die 2012 erschienene Biografie »Martin Luther – Rebell in einer Zeit des Umbruchs« des Berliner Historikers Heinz Schilling. Nach Reinaus Ansicht wird hier das Leben des Reformators eindringlich und mit allen Brüchen in seinem Leben nachgezeichnet.

»Der Mensch Luther hat mich schon immer fasziniert«, so Reinau. »Schon während des Lesens von Schillings Buch Anfang 2014 reifte immer mehr die Idee, das Leben des Reformators zumindest ansatzweise in einer Komposition für Blasorchester zu vertonen.«

Die Idee lag förmlich in der Luft, war Luther doch ein ausgezeichneter Musiker auf Laute und Flöte und Komponist zahlreicher Choräle, die bis heute noch besungen werden. »Und so begann die Recherche nach geeigneten Melodien als Grundlage und natürlich auch eigenen Motiven.«

Das Werk: »Martin Luther – Szenen eines rebellischen Lebens«

In der Einleitung »Luther und seine Zeit« möchte Reinau mit Choralzitaten und einem tänzerischen Teil eine Atmosphäre kreieren, die den Zuhörer in die Welt der Renaissance versetzen soll. Begonnen wird mit einem sehr bekannten Motiv.

Im 1. Horn erklingt in Diminution der Anfang des wohl bekanntesten Luther-Chorals »Ein feste Burg ist unser Gott«, der im tiefen Holz und im Piccolo wie ein Echo nachklingt. Eine weitere Choralmelodie folgt ab Takt 7 im traditionellen vierstimmigen Blechsatz: »Ach Gott vom Himmel, sieh darein«, komponiert 1523/24 in Wittenberg nach dem Text des 12. Psalms.

  • 31.10.2017
  • Schwerpunktthema
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 34-35

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