Wer spielt eigentlich die Instrumente in Jazzfilmen?

»Born to be Blue«, »Miles Ahead«, »Whiplash«, »La La Land«, »Django« – Kinofilme mit Jazz-Thematik haben Hochkonjunktur. Die Jazzmusiker in diesen Filmen sind meistens nur Schauspieler. Aber woher kommt dann die Musik?

Im Film »Kansas City« (Regie: Robert Altman, 1996) liefern sich zwei Tenorsaxofonisten ein Duell – auf ihren Instrumenten. Diese Szene hat ein historisches Vorbild. 1934 gastierte Coleman Hawkins in Kansas City, er galt damals als der Champion aller Tenorsaxofonisten im Jazz. Dutzende von Tenoristen der Stadt, angeführt von Lester Young, kamen in den Club »Cherry Blossom«, um den Champion herauszufordern – Kansas City war bekannt als eine Hochburg der Jamsession.

Die Legende besagt, dass Hawkins an diesem Abend so in die Enge getrieben wurde, dass er bis in die Morgenstunden »kämpfte« – und die Abfahrt seiner Band versäumte. Im Film »Kansas City« dauert es nicht so lange: Hawkins und Young, gespielt von den Saxofonisten Craig Handy und Joshua Redman, reichen sich nach der »Battle« die Hand – und fertig.

»Kansas City« (1996)

Doch das eigentliche Saxofonisten-Duell fand bei diesem Film ohnehin hinter den Kulissen statt. Joshua Redman und James Carter (der im Film Ben Webster verkörpert) stritten damals in den Medien tatsächlich um die »Tenor-Krone« – und das im Jahr 1996!

Carter vor allem schien diesen Streit sehr ernst zu nehmen: »Dieser Carter ist wirklich ein Hitzkopf!«, stöhnte Regisseur Altman nach den Dreharbeiten. Im Film selbst sehen Carter und Redman einander nicht einmal an. Für Jazzfans besaß »Kansas City« damals eine doppelte Bedeutung.

Wenn Musik und Bild völlig übereinstimmen, wenn die Töne exakt zu den Körper- und Fingerbewegungen passen, wenn die Musiker, die man »live« spielen sieht, tatsächlich jene Musik spielen, die man auch hört – das ist natürlich die ideale Situation für jeden Kinofilm mit Jazz-Aktionen.

Im Film »Kansas City« war das möglich, weil die (echten) Jazzmusiker keine wirklichen Schauspielrollen übernahmen und daher nicht gedoubelt werden mussten. Die Jamsession verläuft wie eine zweite Ebene »unter« der Handlung – als Metapher und Modell für die Kämpfe zwischen den Hauptfiguren.

Die Hauptstory nämlich sei ohnehin wie Jazz, sagte Regisseur Altman: »Ein kurzes Thema, ein roter Faden, dazu kommen aber eine Menge Riffs und Improvisationen.« Schwierig war die Sache nur für die Toningenieure, die den Live-Jazz der Starbesetzung nicht im Hightech-Studio, sondern mitten auf dem Filmset einfangen sollten – in einem Raum voller Rauch und tanzender Menschen. Und alle Mikrofone mussten für alle Kameras unsichtbar sein.

  • 08.05.2018
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 5/2018
  • Seite 43-45

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