wer nicht sieht, hört mehr - blinde musiker münchen: einmalig, und das 350-mal im jahr

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Evamarie Meier
  • Ausgabe: 10/2003
  • Seite 26-27

Man muss kein Star sein, um vom Musizieren zu leben. Der Beruf des musikalischen »Mädchen für alles« ist hierzulande allerdings fast ausgestorben – bis auf die Alleinunterhalter vielleicht, denen wir auf Hochzeiten oder Tanztees begegnen. Die »Blinden Musiker München« füllen eine Lücke. Sie spielen bei Maiandachten, Firmenjubiläen, Altennachmittagen, Adventsfeiern oder Stadt- und Musikfesten. Oder sie treten in Schulen auf, um über Situation und Hilfsmittel blinder Menschen zu informieren. Sie sind, was sie sind: Gebrauchsmusiker ohne Augenlicht und einzigartig. Jahr für Jahr werden sie etwa 350-mal in wechselnder Besetzung gebucht. Die neun Musiker haben eine solide Ausbildung genossen und üben fünf Stunden täglich.

Wie funktioniert das überhaupt, fragt man sich unweigerlich. Wie übt man »Oh when the Saints«, den »Bozner Bergsteiger-Marsch« oder Melchior Francks »Spielmusik« ein, wenn man weder Noten noch die Gesten des Dirigenten sehen kann? Die Antwort liegt auf der Hand: Wer nicht sehen kann, muss hören – und das können Blinde durchaus besser als Sehende.

 

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