Wenn der Profi Hand anlegt... - Schagerl-B-Trompeten Academica »SP-L JM« und »SP-S JM«

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2011
  • Seite 20-22

»This is just the warm up« ist das Lebens- und Arbeitsmotto von James Morrison. Der aus­tralische Spitzen-Trompeter läuft sich also immer noch warm. Was nicht bedeutet, dass er noch nicht angefangen hätte. Denn es ist schon eine Untertreibung, wenn man schreiben würde, James Morrison sei ganz gut im Geschäft. Seit Januar 2010 arbeitet der Musiker nun mit der österreichischen Firma Schagerl zusammen und legt dort höchstselbst Hand an, wenn es um die Instrumente geht. Bemerkenswert ist dabei, dass er das nicht nur bei Profi-Instrumenten – der »Meister«-Serie – tut, sondern auch bei der Nachwuchs-, der »Academica«-Reihe. Der Redaktion lagen aus letzterer zwei Modelle vor, die »SP-L JM« und die »SP-S JM«. Anzumerken bleibt noch, um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen, dass natürlich auch die Instrumentenbauer – und nicht nur der Musiker – Profis sind.

»A touch of genius« überschreibt die Firma Schagerl ihre neuen James-Morrison-Modelle und verspricht sich von der Mitarbeit des australischen Multi-Instrumentalisten einige wertvolle Spezifikationen, die vor allem dem Musiker weiterhelfen sollen. »Nur ein Instrument mit dieser Einzigartigkeit in Klang und Design verdient es, den Namen von James Morrison zu tragen.« Und James Morrison gibt das Lob nach Mank zurück: »Schagerl weiß, dass Qualität ein wichtiges Merkmal für den Musiker ist, wenn er seine Trompete auswählt. Ich bin erfreut, mit ­ihnen zu arbeiten und dass mein Name auf der neuen Academica-Serie steht.« Schwierigkeiten wegen der Unterschiede gab es im internationalen Umgang offenbar keine. »Ich bin oft überrascht, wie ähnlich sich Australier und Österreicher sind«, meint James Morrison, angesprochen auf die Zusammenarbeit. Im Englischen unterscheiden sie sich übrigens nur durch zwei Buchstaben: Australians – Austrians. Nicht zuletzt dürfte der Name James Morrison bzw. die schon namentlich klangvolle Zusammen­arbeit der Firma Schagerl mit dem australischen Musiker Werbezwecken dienlich sein. Von letzterem haben sich die beiden Tester Dominikus Schmelzer (Handwerk) und Martin Wiblishauser (Musik) allerdings nicht blenden lassen und die beiden Trompeten auf Herz und Nieren gecheckt – und, so viel sei vorweggenommen, für gut befunden.

Die beiden B-Trompeten der Academica-Serie SP-S und SP-L sind baugleich und unterscheiden sich lediglich durch das Ober­flächen-Finish. Die SP-S ist versilbert, die SP-L lackiert. Preislich zielt Schagerl in die Mittelklasse, wo die Instrumente auch nach Meinung der Tester ihren Platz finden. Und sicherlich dürfte auch der ein oder andere Profi an diesem Instrument seine Freude haben. Standardmäßig wird jedes Instrument mit Öl, Zugfett und Reinigungstuch ausgeliefert. Ein Schagerl-Mundstück 3C ist ebenfalls enthalten. Dieses bekommt vom musikalischen Tester ein Sonderlob, allerdings gibt er zu bedenken, dass nicht jedes Mundstück für jeden Musiker gleich gut passt. Der Musiker sollte hier also ausprobieren, weil das 3C »unter Umständen zu offen« sein kann. Voll des Lobes äußert sich der Tester zum mitgelieferten Etui, dem »Superior Trekking Etui«. Der Koffer überzeugt durch viel Platz. Im Innenfach ist durchaus Platz für einen Notenständer, während die große Außentasche mit einem Extra-Fach für weitere Utensilien gemacht ist. Die praktischen Rucksackgurte und der alternative Um­hänge­gurt ergänzen den hervorragenden Eindruck.

Instrumentenbautechnnisch sind, merkt der Metallblasinstrumentenmachermeister, die James-Morrison-Modelle den »normalen« Modellen der Academica-Reihe sehr ähnlich. (Deshalb sei an dieser Stelle zum Vergleich auf einen früheren Test verwiesen: www.clarino.de/k/1035). Auch diese Modelle verfügen über »extravagante« Stützen im Stimmbogen. Und selbstverständlich dürfen die für Schagerl bekannten vieleckigen Schraubdeckel an den Ventilbüchsen sowie die eckigen Drückerknöpfe auf den drei Périnetventilen nicht fehlen. »Die Oberflächenfinishes sind – sowohl beim Lack als auch bei der Versilberung – einwandfrei«, findet Dominikus Schmelzer. Die Maschine wartet mit einer Bohrung von 11,68 mm auf. Die eingehohnten Monel­-Ventile werden durch eine Plastikführung mit zwei Führungsnasen stabil in den Messingbüchsen geführt. Die Feder läuft sehr leise und ist in einer Messingbuchse eingelassen, in die ein Aluminium-Stößel (Drü­cker­stange) geschraubt ist. Der musikalische Tester lobt die Maschine ebenfalls mit der Höchstnote »sehr gut«, auch wegen der guten Polsterung.

Einige Spezifikationen unterscheiden jedoch dieses Sondermodell von den anderen Instrumenten der Academica-Serie. So ist sofort erkennbar, dass kein Zugsattel am 1. Ventil oder ein Fingerhaken für die rechte Hand am Mundrohr verwendet wurde. Hier werden geschlossene Ringe – wie man es von einem 3. Zug gewohnt ist – verwendet. Der musikalische Tester merkt an, dass das unter Umständen zu Problemen führen könnte, wenn man von einer anderen Trompete auf eines dieser Modelle umsteigt. Allerdings ist das wohl schlichtweg eine Sache der Eingewöhnungszeit. Außerdem wurde nur eine Stimmzugstütze verwendet, was sich auf den Klang und die Ansprache auswirken kann. Denn je mehr Stimmzugstützen vorhanden sind, desto stabiler wirkt der Klang. Das Schallstück der beiden Modelle endet in einem Durchmesser von 127 mm und ist aus Goldmessing gefertigt. Ein sehr wich­tiges Detail, das sich im Vergleich zu den ­anderen Instrumenten der Academica-Serie verändert hat, ist das Mundrohr. Das James-Morrison-Modell ist nur mit einem Mund­rohr aus Sterlingsilber lieferbar. (Sterling­silber ist eine Legierung aus 92,5 Prozent reinem Silber und 7,5 Prozent anderen Metallen, normalerweise Kupfer.)

Auffallend ist zudem noch das Mundrohr mit einer »reversed«-Bauweise. Das bedeutet, dass der Außenzug nicht am Mundrohr angelötet wird, sondern am Stimmbogen. Dadurch bläst der Spieler nicht gegen die Kante des Stimmzugs. Somit entfallen an dieser sensiblen Stelle unerwünschte Luftverwirbelungen im Innern des Instruments (siehe Skizze). Beide Instrumente, meint der musikalische Tester Martin Wiblishauser, dürften unter den fortgeschrittenen Bläsern ihre Freunde finden. Sowohl der klare Orchesterklang (eher SP-S) als auch der weiche Ensemble-Klang (eher SP-L) sind dabei möglich. Ein guter Ansatz und eine gute Atemtechnik sind allerdings schon erforderlich. Die SP-S hat einen recht hohen Klangkomfort – Note: »sehr gut« –, erfordert aber einen versierten, ausdauernden Spieler. Die hohe Lage kann offen sein, allerdings sollte der Musiker hier sehr konzentriert zu Werke gehen. Die hohe Lage (ab d3) »verzeiht keine Fehler«. »Erfüllt man die Anforderungen nicht, startet der Ton nicht gut.« Ausdauer ist ebenfalls vonnöten, weil das »offensive« Spiel, das für einen guten Klang notwendig ist, schnell ermüdend sein kann. Auch die SP-L erfordert viel Routine bzw.Übung. Hier ist es wegen des großen, strahlenden Tons nicht ganz einfach, zurück­haltend zu spielen.

Fazit

Der Ansatz der Firma Schagerl ist so schlicht wie logisch: Vom Musiker für den Musiker. So kann der Spieler einer James-Morrison-Version davon ausgehen, dass die Eigenschaften des Instruments höchsten Ansprüchen genügen. Allerdings wird deutlich, dass diese Trompeten nicht von allein spielen. Übung macht den Meister, heißt es ja so schön. Und auch ein James Morrison hat sicherlich die ein oder andere Übungseinheit hinter sich. Redaktion: Klaus Härtel

Die Tester

Martin Wiblishauser studierte nach seinem Wehrdienst beim Luftwaffenmusikkorps 1 Neubiberg am Leopold-Mozart-Konservatorium Augsburg und an der Hochschule für Musik München Trompete, bevor er seine Studien im Fach Blasorchesterleitung am Bruckner-Konservatorium in Linz (Oberösterreich) aufnahm. Er vervollkommnete seine Kenntnisse in London und ist als Musikpädagoge für Blechbläser und Blasorchester im süddeutschen Raum und im Ausland tätig.

Dominikus Schmelzer machte seine Berufsausbildung zum Metallblas­instru­mentenmacher bei Wenzel Meinl in Geretsried, wo er auch ein weiteres Gesellenjahr im Tuben-, Cimbasso- und Basstrompetenbau ablegte. Er erlangte 2004 den Meisterbrief zum Metallblasinstrumentenmacher und ist heute Geschäftsführer des Musikhauses Frei in Marktoberdorf.

« zurück