Wendepunkte - Siegmund Goldhammer über den Mauerfall

Am 9. November feiern wir 25 Jahre Mauerfall. Mit der Wende kam es zu massiven Umstrukturierungen, die für viele Menschen weitreichende Folgen hatten. Einer davon war der Dirigent und Komponist Siegmund Goldhammer. Einerseits glücklich über die Öffnung der DDR-Grenzen, hatte er ­andererseits schwer mit der neuen Situation zu kämpfen: Als freischaffender Komponist verlor er plötzlich sämtliche Auftraggeber. Seine Eindrücke von der Wende verarbeitete er nun musi­kalisch: »Wendepunkte 1-9-8-9« wurde im Frühjahr von der Kreisjugendmusikkapelle Biberach unter Leitung von Tobias Zinser uraufgeführt. Mit ­CLARINO sprach der 82-jährige nun darüber, wie er den Mauerfall und die Wende miterlebt und welche persönlichen Folgen sie für ihn hatte.

Herr Goldhammer, wo waren Sie zum Zeitpunkt des Mauerfalls und wie haben Sie von der Nachricht erfahren, dass die Mauer offen ist?

Na ja, wir sind abends vor dem Fernseher gesessen und haben diese eigenartige Information von Günter Schabowski in der damaligen Pressekonferenz gehört. Da ging es um die Reisefreiheit der DDR-Bürger. Eine englische Journalistin fragte ihn, ab wann das gelte und daraufhin kam die Antwort »Reisefreiheit für jeden Bürger ab sofort«. Die Tragweite dieser Aussage haben wir gar nicht sofort verstanden.

Am nächsten Morgen fuhr ich als Mentor des Betriebsorchesters »Schwarze Pumpe« nach Hoyerswerda zu einer Probe. Auf der ­Autobahn in Richtung Cottbus habe ich mich dann schon gewundert, dass so viele Autos nach Berlin fuhren, in Richtung Cottbus war ich dagegen fast der einzige. Und als ich dann ankam, war der Dirigent des Orchesters ganz verwundert über mein Erscheinen. Ich habe ihn dann gefragt, wie er darauf kommt und er sagte nur »Na, die Mauer ist doch offen!« 

  • 20.08.2014
  • Szene
  • Cornelia Härtl
  • Ausgabe: 9/2014
  • Seite 46-48

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