Was übst du eigentlich, wenn du übst? (6): Üben mit Metronom

  • 31.01.2018
  • Praxis
  • Sandra Engelhardt
  • Ausgabe: 2/2018
  • Seite 10-12

»Ich stelle das Metronom immer auf Achtel, dann kann ich am besten überprüfen, ob ich ganz genau spiele«, schrieb mir ein CLARINO-Leser auf meinen letzten Artikel. Dort hatte ich empfohlen, für das Tonleitertraining ein Tempo von Viertel = 80 zu wählen.

Dem Leser erschien dieses Tempo doch sehr langsam, weshalb er in seiner Mail um weitere Ideen oder Anregungen zum Üben mit Metronom bat. Und da mir dies doch ein Thema von allgemeinerem Interesse zu sein scheint, heute nun – sozusagen als eingeschobenes Special dieser Reihe – ein Artikel darüber.

Es beginnt wieder mit einer Frage: Was genau übe ich eigentlich, wenn ich mit Metronom übe? Was will ich trainieren? Wobei unterstützt mich dieser Pulsgeber, welche Schwächen werden enttarnt – und welche Fertigkeiten im Zusammenhang mit den Themen Rhythmusgefühl und Pulsempfinden können nicht mit dem Metronom (allein) geübt werden?

Mit oder ohne Metronom üben?

Wenn es um das Üben mit Metronom geht, beobachte ich bei meinen Schülern und Studierenden zwei grundlegende Tendenzen. Die einen hassen es geradezu, mit Metronom zu üben, während die anderen sich nahezu permanent den Puls vorpiepen lassen.

Die »Hassenden« fühlen sich von der strengen und unnachgiebigen Art des Metronoms gestresst und im Ausdruck eingeschränkt, während sich die Permanent-Nutzer ohne den durchgehenden Puls verlassen und verloren fühlen. Welches ist nun der richtige Umgang?

Die Antwort ist – Sie haben es sich wahrscheinlich bereits gedacht – nicht so klar und einfach. Vielmehr gilt es wieder einmal, sich aus der persönlichen Bequemzone heraus zu begeben. Denn wie bei allem, was uns schwerfällt, muss ich, wenn ich daran etwas ändern möchte, zunächst herausfinden, warum das so ist.

Wenn ich immer nur das übe, was mir gut liegt und einfach gelingt, werde ich meine Fertigkeiten nicht erweitern. Doch welche Fertigkeiten sind denn das bei diesem Thema genau?

Rhythmusgefühl

Unter einem guten Rhythmusgefühl verstehen wir meist, dass jemand sicher die Notenwerte umsetzen kann, also einen Puls (oder auch Grundschlag genannt) fühlt und die Notenwerte in ihrer relativen Länge darauf realisieren kann. Gerade, wenn jemand allein musiziert, merken wir sehr schnell, ob er oder sie »im Takt spielt«, wie es auch so schön heißt.

Wir wollen als Zuhörer den Grundschlag, den Puls spüren, denn nur so lassen sich die Notenwerte, lässt sich der Rhythmus nachvollziehen. Und nur dann wird Agogik erkennbar. Also lautet das Trainingsziel hier: Entwicklung eines »internen« Pulsgefühls.

Für das Orchester- oder Ensemblespiel dagegen ist es unerlässlich, dass ich mich auf einen von außen vorgegebenen Puls einlassen kann. Dass ich mich einfüge, mein individuelles Pulsgefühl in das vorgegebene »einklinke«, meine Spielbewegung (die ja im Rhythmus geschieht) in diesem Puls geschehen lasse.

»Im Takt spielen« bedeutet also hier, sich den extern vorgegebenen Puls zu eigen zu machen und nicht in ein eigenes, individuelles Pulsgefühl abzugleiten. Trainingsziel: auf einem vorgegebenen Puls das eigene Spiel als selbstverständlich empfinden.

« zurück