Was übst du eigentlich, wenn du übst? (4): Was ist »Stütze«?

  • 14.12.2017
  • Praxis
  • Sandra Engelhardt
  • Ausgabe: 12/2017
  • Seite 12-14

Mal ganz ehrlich: können Sie erklären, was »Stütze« ist? Zack – so direkt aus dem Stand? Vielleicht sogar in druckreifen Formulierungen? Wie viele Worte brauchen Sie dafür? Und gelingt Ihnen die Erklärung so, dass auch Nicht-Bläser Ihre Ausführungen verstehen?

Also beginnt es schon wieder mit einer Frage. Und vielleicht ist dies ja auch die Frage überhaupt für uns »Atembewegungs-Manipulierer«. Ich bin mir auch bewusst, dass die Antwort nicht so einfach ist. Und gerade deshalb finde ich es wichtig, sich mit ihr auseinanderzusetzen, sich Klarheit zu verschaffen, was die »Stütze« für mich selbst bedeutet – und im allgemeinen Sinn.

Auf der Suche nach einer für Sie passenden Antwort kommen Sie um folgende Fragen nicht herum:

  • Was verstehen Sie unter »Stütze«? Ist das eine Aktivität? Und wenn ja: Wo? Wie? Wann? Ist das eine »Region« im Körper? Ist es eher ein allgemeines Körpergefühl? Permanent oder zeitweise?
  • Was genau machen Sie, wenn Sie beispielsweise jemand auffordert, »mehr zu stützen«?
  • Können Sie sich daran erinnern, ob und wie Ihnen die Stütze erklärt wurde? Und haben Sie das verstanden und umsetzen können? Oder haben Sie eher »rumprobiert«, bis Ihr Lehrer mit dem Klangergebnis zufrieden war?

Was ist »Stütze«?

Das aktuelle Semester habe ich mit meinen Methodik-Studierenden mit einer anderen Frage eröffnet: Woran erkenne ich, wenn jemand nicht richtig stützt? Wohlgemerkt hatten wir vorher noch nicht direkt über das Thema »Stütze« gesprochen.

Es interessierte mich vielmehr, welche Verbindungen und Zusammenhänge den Studierenden in den Sinn kommen. Bei der Sammlung der Ergebnisse kamen wir zu dem Schluss, dass wohl nahezu jedes Problem mit der Aufforderung »mehr stützen« zu lösen ist.

Die Studierenden wirkten mit dieser Erkenntnis recht zufrieden, machten sich Notizen, und ich hatte den Eindruck, dass damit soweit alles klar zu sein schien. Also stellte ich die nächste Frage: Was genau bedeutet denn »mehr stützen«? Was genau soll oder muss euer Schüler verändern?

Worauf eine Studentin erleichtert sagte: »Das habe ich mich eben irgendwann auch gefragt – aber ich habe mich nicht getraut zu fragen, weil ich dachte, ich bin die Einzige, der das nicht so ganz klar ist…!« Damit war das eigentliche Thema auf dem Tisch – und ebenso trat deutlich zutage, dass alle bei diesem Thema irgendwie mit einem eher auf der gefühligen Seite verorteten Halbwissen unterwegs sind.

Was also bedeutet »stützen«?

Neulich war ich bei Freunden zum Essen eingeladen. Es war eine gemischte Tischgesellschaft, also Musiker und Nicht-Musiker. Irgendwie kam ich mit meiner Sitznachbarin auf das Thema »Stütze« (ich glaube, es ging um unsere Semester-Themen), bis unser Gegenüber, der wohl Fetzen des Gesprächs mitbekommen hatte, sich einklinkte mit den Worten: »Wieso redet Ihr immer von ›Stütze‹? Ich dachte, man sagt jetzt Hartz IV?« – wodurch er sich zweifelsfrei als Nicht-Musiker zu erkennen gab.

Interessant ist an dieser Einmischung, dass der umgangssprachliche Begriff der »Stütze« im Sinn einer »Unterstützung« gebraucht wird – während ich bei Bläsern immer wieder beobachte, dass sie mit der »Atemstütze« etwas Starres, Festes oder auch Fixierendes verbinden. Die Verwendung im Sinne einer »Unterstützung« eröffnet daher vielleicht einen anderen Zugang.

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