Was übst du eigentlich, wenn du übst? (3): Kraft-Ausdauer-Training

Kennen Sie die Übung, beim Töneaushalten das Metronom auf 60 mitlaufen zu lassen? Um kontrollieren zu können, wieviele Sekunden man schafft – und als Ansporn, beim nächsten Ton noch ein bisschen länger durchzuhalten? Tatsächlich eine Übung mit unglaublich hoher »Verkrampfungs-Garantie«.

Wie kann man die Tonlänge trainieren?

Denn längere Töne kann ich auf vielen Wegen erreichen: Ich kann den Ansatz zusammenquetschen (dann kommt weniger Luft raus), ich kann den Halsraum eng machen (gleicher Effekt), ich kann ganz leise spielen (meist auch mithilfe der erwähnten Ansatzverkleinerung)… und schwupps: schon bin ich nach dem Einspielen fest und eng, habe vielleicht sogar Halsschmerzen (Muskelverkrampfung) und zitternde Lippen (Überanstrengung).

Was genau muss ich also trainieren, damit ich längere Töne spielen kann? Bewegungsmuskeln oder eher Haltemuskeln? Und geht es dabei wirklich primär um eine verlängerte Ausatmung, oder sollte ich mich vielleicht doch mehr auf die Einatmung konzentrieren? Dass ich schneller mehr Luft einatme?

Nachdem in der letzten Ausgabe das Erkunden oder Entdecken der unterschiedlichen an der Atembewegung beteiligten Muskelgruppen Thema war, soll es diesmal um »Kraft-Ausdauer-Training« gehen. Wieder steht dabei die Optimierung der Bewegung im Vordergrund, es geht weniger um die Arbeit am Klang. Und ja: auch das Metronom kann zum Einsatz kommen – als unnachgiebiger und tagesformunabhängiger Trainingspartner.

Drei-Stufen-Programm

Bewegungslernen ist immer mit der Gefahr verbunden, sich neben den gewünschten Bewegungen auch ungünstige Mit-Bewegungen anzugewöhnen. Und das Training der Atemmuskeln hält als besondere Herausforderung noch den Umstand bereit, dass wir – da wir ja unsere gesamte Rumpfmuskulatur bedienen wollen – eine neue Balance finden müssen zwischen Haltemuskeln und Bewegungsmuskeln.

So wollen wir ja beispielsweise »frei« über unsere Bauchmuskeln verfügen können – weshalb sie zur Stabilisierung der Haltung nur noch bedingt beitragen können. Und die Spiel-Haltung unseres Instruments bringt die Körperbalance auch nicht unerheblich durcheinander.

Um ein sicheres Gefühl für die Atem-Bewegung zu bekommen, arbeite ich gern in drei Stufen an diesem Thema. Je nach aktivierbarem Vorwissen dauern die Stufen unterschiedlich lang.

Sandra Engelhardt

trat im Frühjahr 2015 mit der Veröffentlichung ihrer Unterrichtskonzeption "Wir flöten QUER!" (Breitkopf & Härtel, Wiesbaden) an die flötenpädagogische Öffentlichkeit.

Die diplomierte Instrumentalpädagogin und Flötistin unterrichtet an der Musikschule der Stadt Langenhagen. An der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover lehrt sie Flöte im Haupt- und Nebenfach und leitet das Seminar "Didaktik des Flötenunterrichts". Ihre Tätigkeit als Fortbildungsdozentin rundet die Beschäftigung mit den verschiedenen Ebenen der Instrumentalpädagogik ab.

Weitere Informationen über die Autorin und die veröffentlichten Unterrichtsmaterialien finden Interessierte unter www.wirfloetenquer.de.

  • 06.11.2017
  • Praxis
  • Sandra Engelhardt
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 14-16

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