Vom Veitstanz zum Konzert - Entstehung und Entwicklung des Konzertwesens

  • 21.09.2011
  • Historisches
  • Wolfgang G.P. Heinsc
  • Ausgabe: 2/2011
  • Seite 34-37

Musikepochen bilden den roten Faden für die clarino.print-Ausgaben dieses Jahres. Zeiten und Stile dieser Zeiten, Kompositionstechniken und kompositorische Ideen, Entwicklungen, Philosophien und soziologische Verhältnisse als sozusagen Handlauf durch die Musikgeschichte sind das Leitthema. Man kann, nein man muss das in Abschnitte spalten, soll ein differenziertes Bild erstehen. Aber daneben gibt es Stil- und Zeitenübergreifendes, wie beispielsweise das Konzert, dem sich dieser Essay widmet.Konzert: eigentlich ein begrifflicher Zwitter. Meint der Begriff doch einmal die kompositorische Form, daneben aber auch die räumliche Etablierung musikalischer Darbietungen vor einem wie auch immer intentional ausgerichteten Publikum. Wo und vor allem wie das alles angefangen hat, wissen wir nicht. Mit Sicherheit aber nicht in der heutigen Form von Bühne einerseits und in unterschiedlichen Anordnungen aufgebauten/gestellten Sitzreihen andererseits (sieht man einmal von den ganz anderen Ausrichtungen gewidmeten Amphitheatern der Antike ab).

Vorstellen kann man sich vieles. Den Lyra spielenden Sänger beispielsweise, vor den Gästen eines altgriechischen, altrömischen oder auch – schon einiges später – mittelalterlichen Gelages. Was singt er für Texte? Wie klingt die begleitende Musik? Für das Mittelalter haben wir einige Vorstellungen. Die Texte und auch ein Gutteil der Musik der Minnesänger, Troubadours und Trouvéres sind überliefert. Lassen wir das immer wieder in den Beschreibungsvordergrund gerückte Liebeswerben – die Minne – einmal außen vor, dann bleibt übrig: eine Art mittelalterlichen Nachrichtendienstes. Vor dem jeweiligen Hof und der Hofgesellschaft erzählen und berichten sie Neuigkeiten, die sie auf ihren Reisen von Hof zu Hof, von Burg zu Burg erfahren haben. Das ist noch kein Konzert, aber grundiert ein Basisverhältnis. Nämlich das von Vortrag und Publikum. Unerheblich dabei, wie weit es unter den Umständen der jeweiligen Gelageextasen zur umfassenden Rezeption kommt. Im Bereich des dörflichen und städtischen Raumes ist es wohl kaum anders. Hier sind es die »Unehrlichen«, die »Spielleut’« und »Gaukler«, die Nachrichten, in die unterschiedlichsten Darbietungen verpackt oder doch von ihnen umhüllt, berichten. (Eine Art, die sich bis zu den Bänkelsängern des 19. und frühen 20. Jahrhunderts erhalten hat.)

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