Vjeran Jezek über »Tägliche und technische Übungen für Trompete«

Foto: Oliver Kendl

Vjeran Jezek hat als langjähriger Orchestermusiker, Solist und Dozent schon viel erlebt und gesehen. Er kennt die Probleme, die Trompeter jeden Niveaus so mit sich herumtragen. Und er weiß, dass die Grundlagen stimmen müssen. Nun hat er seine Erfahrungen in einem Buch zusammengetragen: »Tägliche und technische Übungen für Trompete«.

Über Vjeran Jezek

Um zu erörtern, was hinter dem Buch mit dem etwas sperrigen Titel »Tägliche und technische Übungen für Trompete« steckt, muss man sich auch den Lebensweg des Autors Vjeran Jezek anschauen.

Geboren und aufgewachsen ist Jezek in Kroatien, wo er von klein auf mit der großen Blasmusiktradition in Berührung kam. »Mein Vater war 40 Jahre Kapellmeister in unserem Dorf.« Jezek strahlt, wenn er von damals erzählt. »›Wohin mit dem Jungen?‹, hieß es gelegentlich, wenn die Mama arbeiten musste. Und dann bin ich immer mit meinem Papa zu den Konzerten gefahren.«

Tolle Erfahrungen seien das gewesen, die Märsche und Konzerte zu hören. Und so kristallisierte sich fast schon zwangsläufig der Wunsch heraus, auch ein Instrument lernen zu wollen. Er habe alles Mögliche ausprobiert – doch als er die Trompete versuchte, »habe ich sie nie mehr aus der Hand gegeben...«

Ursprünglich habe er natürlich Fußballer werden wollen, erzählt er lachend. »Vor dem ersten Training war ich dermaßen aufgeregt, dass ich den ganzen Tag am Sportplatz saß und auf den Beginn gewartet habe. Meine Eltern aber wussten gar nicht, wo ich bin. Fünf Minuten nach Trainingsbeginn haben sie mich dann gefunden und ich musste sofort mit nach Hause. Da war die Fußballkarriere leider schon wieder beendet…« Vielleicht auch gut für die Trompeterszene.

Blasmusik in Kroatien

Die Blasmusikkultur im nördlichen Teil Kroatiens war damals sehr ausgeprägt und mit der von Österreich oder Bayern vergleichbar. »Jedes Dorf hatte seine Kapelle«, erzählt Vjeran Jezek. Allerdings habe er im damaligen sozialistischen System wenig von der westlichen Orchesterkultur gewusst.

Ein guter Freund seines Vaters habe bei einem Besuch von den Münchner Philharmonikern erzählt. »Ich dachte: ›Was soll das sein?‹ Für mich waren Zagreb und Belgrad die höchsten Stufen, die es gab!« Als der Freund eine CD der Münchner unter der Leitung von Sergiu Celibidache mitbrachte, »war ich fassungslos. Ich war so froh, dass ich diese CDs zu Gehör bekommen habe. Ab diesem Zeitpunkt bin ich richtig in die Musik eingetaucht.«

Jezeks Weg in den Westen

Er sei da insgesamt »irgendwie reingewachsen«. Parallel zur Kapelle des Vaters war die Musikschule in Varaždin die erste Ausbildungsstätte. Als Schüler gewann er Bundeswettbewerbe. Als er schließlich in Zagreb studierte, »jobbte« er bei den Zagreber Philharmonikern, wo er mit gerade mal 18 Jahren das Probespiel gewonnen hatte.

Und irgendwann kam dann der Schritt in Richtung Westen. Vjeran Jezek wurde Student bei Erich Rinner in Innsbruck, sein Masterstudium absolvierte er bei Hannes Läubin in München. Die Karriere als Solotrompeter startete im Orchester von Karlsruhe und führte später nach Plauen/Zwickau.

  • 26.08.2019
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2019
  • Seite 21-23

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