Vienna Art Orchestra - Das Ende einer frechen Kultur-Institution

Ein Beitrag zum Vienna Art Orchestra war längst in der redaktionellen Planung, als Mathias Rüegg, der Gründer, Leiter, Komponist und Arrangeur des Ensembles, am 9. Juli 2010 die Bombe platzen ließ. Nach einem Konzert in Viktring (Kärnten) verkündete er – nach 33 Jahren erfolgreicher internationaler Arbeit und fast 50 Alben – die sofortige Auflösung des Vienna Art Orchestra. Der Grund: »chronische Unterfinanzierung«.Vor 30 Jahren, im Herbst 1980, gab das Vienna Art Orchestra – damals noch als »Wiener Art Orchester« – unter seinem Leiter Mathias Rüegg die ersten Konzerte außerhalb Österreichs. Das »Jazz Podium«, damals Westdeutschlands einzige Jazz-Zeitschrift, berichtete im Dezemberheft 1980 über die Auftritte des Ensembles in Köln, Stuttgart und Zürich. Den Berichten ist anzumerken, dass hier etwas ganz Neuartiges auf die Bühne kam, eine Art Bigband, zwar mit sieben Bläsern, aber stilistisch unberechenbar, zirzensisch, verspielt, ironisch, postmodern. Die Konzert-Rezensenten waren überrascht und gefordert, manche auch überfordert, alle begeistert.»Das Wiener Art Orchester bringt einen erfrischenden, neuen Wind in die Bigband-Szene«, schreibt Michael Klein im »Jazz Podium« 1980 über den Auftritt beim 3. Jazz Haus Festival in Köln. Er lobt die »unnachahmliche, originelle Weise«, wie hier Stilmittel aus der ganzen Bigband-Geschichte vermischt werden – von Duke Ellington bis zu Freigeistern wie Willem Breuker und dem Globe Unity Orchestra. »Zu allem Überfluss wird dieser eigenwillige musikalische Eklektizismus auch noch mit einer gehörigen Portion Wiener Schmäh versehen. Dazu gehören nicht nur parodistische Elemente in der Musik, sondern auch die sarkastischen Ansagen.«

Infos: www.vao.at

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2010
  • Seite 24-27

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