Vielseitig: Doppelinterview mit Laura Ruiz Ferreres und Ab Koster

  • 29.06.2016
  • Szene
  • Antje Rößler
  • Ausgabe: 7-8/2016
  • Seite 48-49

Die Klarinettistin Laura Ruiz Ferreres und der Hornist Ab Koster trafen sich in der Pfalz beim Hambacher Musikfest. das Festival wird vom Mandelring Streichquartett geleitet, das befreundete Kollegen zum gemeinsamen Musizieren einlädt. In einer Pause nehmen wir einen Espresso. Ab Koster ist mit seinen Anekdoten kaum zu stoppen. Laura Ruiz Ferreres und die Interviewerin brechen immer wieder in Gelächter aus.

Laura Ruiz Ferreres war von 2006 bis 2010 1. Solo-Klarinettistin im Orchester der ­Komischen Oper Berlin. Sie gehört zu den wenigen Klarinettisten, die beide Systeme, Französisch und Deutsch, perfekt beherrschen. Die Spanierin hat eine Professur an der Frankfurter Musikhochschule.

Ab Koster spielte zwischen 1977 und 1990 als 1. Solo-Hornist beim NDR-Sinfonieorchester in Hamburg. Der Holländer zeigt sein solistisches Können nicht nur auf dem modernen Ventilhorn, sondern auch auf dem historischen Naturhorn. Er unterrichtet als Professor in Hamburg.

Zur diesjährigen Eröffnung des Hambacher Musikfestes spielten Sie eine Rarität: ein Oktett des Beethoven-Schülers Ferdinand Ries. Gefiel Ihnen das Stück?

Koster: Das war wirklich eine Entdeckung. Es ist nicht so einfach, eine solche Besetzung zusammenzubekommen: Klavier, drei Streicher sowie Klarinette, Horn und Fagott.

Ruiz: Ich freue mich, wenn ich neue Stücke kennenlernen kann. Und der Ries ist ein sehr schönes und interessantes Stück.

Welche Rolle spielt die Kammermusik in Ihrem Berufsleben?

Ruiz: Im Orchester spiele ich nur noch gelegentlich als Aushilfe, seit ich eine Professur in Frankfurt habe. Aber als Solistin und Kammermusikerin bin ich sehr aktiv. Ich habe sogar mein eigenes Kammermusikfestival im südlichen Katalonien gegründet: das DeltaChamber Festival, das Ende Juli zum ersten Mal stattfindet.

Koster: Ich spiele schon seit 1990 nicht mehr im Orchester. Solistisch und kammermusikalisch trete ich auch oft mit Alte-Musik­-Ensembles auf; zum Beispiel mit dem »Orchester des 18. Jahrhunderts«, das der holländische Blockflötist Frans Brüggen gegründet hat. Manchmal habe ich dasselbe Stück kurz nacheinander mit Naturhorn und Ventilhorn gespielt. Beide Varianten können sehr gut sein, denn letztendlich ist es die Komposition, die überzeugt. Es gibt aber auch Leute, die es so weit treiben, Mendelssohns Violinkonzert auf dem Saxofon zu spielen. Das ist natürlich nicht das, was der Komponist sich vorgestellt hat.

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