»Via Nova« von Martin Fabian: Wenn Schlagzeuger zu Bauarbeitern werden...

  • 08.05.2018
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 5/2018
  • Seite 65-67

Als Komponist möchte Martin Fabian weg vom »schneller, höher, lauter«, hin zu mehr musikalischem Ausdruck. »Das Ausreizen der Grenzen ist meiner Meinung nach nicht immer zielführend. Lieber ein technisch leichteres Stück gut spielen als ein schweres Stück mit Müh und Not.«

Musikalische Herausforderung könne man auch in Bereichen wie Klang, Intonation und Phrasierung finden. Besonders die Interpretation langsamer Stücke sage viel darüber aus, wie gut ein Blasorchester musizieren könne.

Seine Musik charakterisiert Fabian selbst als tiefgründig mit vielen Facetten, die sich nicht immer gleich erschließen. »Ich versuche, eingängige Melodien mit nicht immer ganz herkömmlichen Harmonien zu verbinden. Das Notenbild ist eher einfach, aber enthält viele Farben, die erst beim mehrmaligen Spielen/Proben zutage treten. Wichtig ist, sich darauf einzulassen«.

»Via Nova«

»Via Nova« entstand 2017 als Auftragswerk anlässlich der Fertigstellung des neuen Pflasterbelags in der Altstadt von Hallein. Am 25. Dezember 2017 gestaltete die Bürgerkorpskapelle Hallein unter Hermann Seiwald die Uraufführung im Rahmen ihres Weihnachtskonzerts.

Der Titel (deutsche Übersetzung: »Neuer Weg« bzw. »Neue Straße«) ist aus dem Lateinischen entlehnt, da die Römer vor mehr als 2000 Jahren entscheidend die Entwicklung des Straßenbaus geprägt haben.

Zwei Untertitel hat das Stück, beide beziehen sich auf die musikalische Form:

»Pflasterstein-Kanon in Gelb-Grau«

Gelb-Grau bezieht sich übrigens auf die Farbe der Pflastersteine, die in Hallein verlegt wurden. Das musikalische Material besteht aus mehreren Motiven mit teilweise unterschiedlichem Charakter und unterschiedlicher Länge. So wie sich Pflastersteine aneinanderreihen und ineinanderfügen, reihen sich die musikalischen Motive aneinander, überschneiden sich und ergeben je nach Kombination unterschiedliche Klangfarben und -muster.

»Baustellen-Sonate in Rondoform«

»Sonate« (lat. sonare, »klingen«) weist hier auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes hin, nämlich »Klingstück«. Die Klänge und Geräusche einer Baustelle sollen in einen musikalischen Zusammenhang gestellt werden.

Die oft als Lärm empfundenen Geräusche werden in ein rhythmisches Konzept gepackt und mit den Klängen des Blasorchesters verbunden. Die Baustelle wird zum Klingen gebracht und die »Bauarbeiter« werden zu Musikern – oder wenn man will auch umgekehrt.

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