Versuch über die Interpretation der Wiener Popularmusik der Strauß-Zeit - (2) Walzer

Die interpretatorischen Geister scheiden sich schließlich beim Walzer, in all seinen divergierenden Spielarten, Kategorien und Ausformungen. 14 Forscht man nach den außerordentlich schwer zu fassenden Parametern der Walzerinterpretation, so wird man sich zunächst an die Aussage des Wiener Musiksoziologen Kurt Blaukopf halten können: »Der Dreivierteltakt muß von Anbeginn an flexibel gelesen werden. Drum merkt man schon beim ersten Einstieg, ob der Interpret die Lesart meistert oder nicht. Ein echtes, ›richtiges‹ Tempo hat der Walzer nicht von der ersten Note weg. Man muß in den Walzertakt unmerklich und mit einem Spannung erzeugenden Raffinement hineingleiten. Ohne dieses Einschleifen, dieses erwartungsvoll zögernde Hinführen zur walzenden Bewegung bleibt das noch so korrekte Spielen der Noten unbefriedigend...«

  • 21.09.2011
  • Historisches
  • Eugen Brixel
  • Ausgabe: 7-8/1999
  • Seite 14-16

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