Verdamp lang her: Die Rockband BAP hat wieder Bläser

15 Jahre sind eine lange Zeit für eine Rockband. Selbst wenn sie schon so lange auf den Bühnen der Welt unterwegs ist wie BAP, die kölsche Rockband. 15 Jahre lang nämlich hatte Wolfgang Niedecken keine Bläser mehr an Bord. Jetzt ist es wieder so weit!

Der Circus Krone in München ist ein musikgeschichtsträchtiger Ort. Die BRAVO-Beatles-Blitztournee machte hier im Jahre 1966 Station. BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, Jahrgang 1951, kann sich noch gut daran erinnern – wie er sich überhaupt an viel Vergangenes erinnern kann. Er sei zwar nicht dabei gewesen, doch »ich habe heute auch noch überall nachgeschaut, ob ich nicht irgendetwas von den Beatles finden kann«. Wenn auch nichts Physisches herumliegt, dann aber schwebt sicherlich die Aura in der Luft.

205 Minuten Vollgas

Jedenfalls ist BAP unfassbar gut drauf. Schlapp machen? Halbgas geben? Nicht mit Niedecken. BAP spielt exakt 3 Stunden und 25 Minuten. 205 Minuten! Allein die Dauer des Konzerts erlaubt das Urteil, die Band sei das Eintrittsgeld wert. Am Ende sind alle fröhlich. Die Fans, die Musiker und der Frontmann Wolfgang Niedecken.

Der findet es ehrlich bemerkenswert, dass so viele Menschen in München für ein paar Stunden lang den kölschen Dialekt adoptieren. Vermutlich werden zwar ein paar Exil-Rheinländer da sein, doch die Stimmung ist grandios. Und es ist schon das zweite Konzert in München am zweiten Abend hintereinander.

Die prominente Bläsersection: Moschberer, Müller und Goltz

Dass nachher alle euphorisiert sind – daran sind die Bläser nicht ganz unschuldig. Sie spielen zwar nicht bei jedem Titel mit – was vermutlich nicht durchzuhalten wäre –, doch die prominente Einbindung ist nicht zu überhören und -sehen. Die Bläser, das sind keine Geringeren als Christoph Moschberger (Trompete), Axel Müller (Saxofon) und Johannes Goltz (Posaune). Die drei begleiten (unter anderem) auch Gregor Meyle und leihen der VOX-Sendung »Sing meinen Song« ihre Puste.

Und es ist nicht zu leugnen: Sie scheinen im Tonmeister von BAP einen echten Fan gefunden zu haben. Denn so wunderbar klar und deutlich hört man die Bläsersection von Rockbands selten. Es soll schon Frotzeleien der anderen Bandmitglieder gegeben haben, weil den Bläsern in den Konzertkritiken immer eine besonders herausragende Position gewährt wird.

Doch was sich neckt… Dass die Bläser »angekommen« sind, beweist auch der Umstand, dass sie bereits mit einem »Heinz« ausgezeichnet wurden. Den nämlich erhält man bei BAP für »lustige Bühnenverfehlungen«, wie Niedecken das nennt. Und wenn man dann einen Marching-Band-Einsatz bei »Ruut-wieß-blau querjestriefte Frau« vergeigt, bekommt man den Wimpel für einen Tag, und die komplette Bläsersection heißt Heinz.

Sinnvoller Einsatz der Bläser

Das zeigt auch, dass die Herausforderung nicht zwingend in der Dauer des Konzerts liegt, denn da seien die Einsätze »gut dosiert«, wie Christoph Moschberger anmerkt. Die Herausforderung sei vielmehr, den Anschluss zu halten. »Und zu wissen, wann man auf die Bühne muss«, bestätigt Axel Müller lachend.

Man habe sich bei der Vorbereitung viele Gedanken gemacht, wo man welche Bläser einsetzt. Axel Müller beschreibt, dass es bei BAP eben nicht darum gehe, dass da im Hintergrund »drei Hupen rumstehen. Wir durften uns etwas Sinnvolles überlegen.«

Und deshalb gibt es einerseits ruhigere Nummern und andererseits Rocknummern, bei denen die drei Musiker Vollzeit beschäftigt sind. Bläser in der Rockmusik – das könne auch schnell peinlich werden, findet Moschberger. Gerade, wenn man schon eine volle Band habe.

Wolfgang Niedecken schlägt in dieselbe Kerbe: »Die Bläser sind nie nur das Sahnehäubchen oder die Dekoration. Die Bläser sind sinnvoll eingesetzt. Das hab ich im Kunststudium gelernt: Man braucht den Gedanken der Reduktion. Überflüssiges Zeug nur als Garnierung – das ist ja irgendwo auch respektlos.« Er interessiere sich schließlich für Künstler – nicht für Dekorateure.

  • 19.09.2018
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2018
  • Seite 44-47

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