UPSOUND: Ein neuer Trainingshelfer für Blechbläser

  • 17.03.2017
  • Test
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 62-63

Musiker haben immer eine Menge zu tun. Unglücklicherweise halten sie manche Tätigkeiten vom Üben ab – was sie natürlich in den meisten Fällen lieber täten, als manche Tätigkeiten zu erledigen. Für alle, die auch "nebenzu" üben wollen, gibt es jetzt ein neues Gerät: den UPSOUND.

Wartezeiten sinnvoll nutzen

Wer kennt das nicht: Man sitzt vor dem Computer und wartet mal wieder. Auf die Verarbeitung des neusten Updates, auf den Download einer größeren Datei, auf das Papier, das aus dem Drucker kommt oder darauf, dass der Schnellkochtopf seinem Namen gerecht wird.

All diese Wartezeiten könnten Musiker so unglaublich gut nutzen, wenn sie in dieser Zeit noch schnell ein paar Übungen machen könnten. Basics. Für den Ansatz. Einfach nur so zwischendurch und "nebenzu". Aber dafür das Instrument aus dem Übezimmer holen? Während der Mittagszeit Ärger mit den Nachbarn riskieren, die schon bei der letzten Abend-Übesession mit der Polizei gedroht haben? Lieber nicht. Ein Gerät, das in allen Zwischendurch-und-Nebenzu-Zeiten ein treuer und wertvoller Helfer des Musikers werden kann, ist der neue UPSOUND.

Das Ziel: Verbesserung der Mundstück-Übungen

Zugegeben: Gedacht ist der UPSOUND nicht für die schnelle Übungs-Nummer zwischendurch oder nebenzu. Der eigentliche Zweck des UPSOUND liegt in einer Verbesserung der so wichtigen Mundstück-Übungen, die jeder Blechbläser kennt und als ungeheuer wichtig schätzt.

Das Problem am Spielen mit dem Mundstück allein ist der Blaswiderstand, der sich signifikant von dem unterscheidet, der beim Spielen mit dem Instrument wahrgenommen wird. Der UPSOUND löst dieses Problem nach den Angaben des Herstellers, "indem ein natürlicher Anblaswiderstand – ähnlich dem mit Instrument – aufgebaut wird".

Zudem sollen die Schwingungen durch den UPSOUND über die Hand und den Arm in den Körper des Musikers übertragen werden und dadurch "eventuell die Positionierung des Luftstromes und der Anblasdruck zum Positiven verändert werden". "All das führt zu einer richtigen Positionierung von Gaumen, Zunge und Lippen und belohnt mittelfristig durch leichtere Ansatzhöhe und mehr Klangresonanz." Soweit die Versprechungen des Herstellers aus der Bedienungsanleitung.

Wie funktioniert´s?

Der UPSOUND ist eine längliche Kunststoffdose, in deren Deckel ein Mundstück gesteckt werden kann. Um dieselbe Dose für alle Blechbläser nutzbar zu machen, kann mittels eines Adapters eine Aufnahmemöglichkeit für alle Mundstücke geschaffen werden von Trompete/Kornett bis Tuba. Der Adapter wird mittels einer Gummidichtung im Inneren des UPSOUND festgehalten und schwingungstechnisch mit dem Kunststoffgehäuse verbunden.

Die Luft strömt übrigens nicht einfach in das Kunststoffgehäuse hinein und unten wieder heraus, sondern muss erst noch durch einen Metallfilter hindurch, der die Luft verwirbelt, für den Widerstand sorgt und außerdem das Spielgeräusch dämpft.

Der UPSOUND im Test

In der Tat bietet der UPSOUND gegenüber dem Spiel mit dem Mundstück allein einen leicht erhöhten Blaswiderstand. Der Klang, der unten aus dem UPSOUND kommt, ist sehr gewöhnungsbedürftig, und man fragt sich, ob und wie die Klangqualität durch dieses Gerät verbessert werden soll. Tatsächlich ist es nicht der Klang, der aus dem Gerät kommt, der für eine Verbesserung des Ansatzes sorgt, sondern das Gefühl, das man beim Spielen hat.

Denn auch das Spielgefühl ändert sich beim Gebrauch des UPSOUND. Interessanterweise kann schon nach kurzer Verwendungsdauer eine Verbesserung des Klangs beim reinen Mundstückspiel erreicht werden: Vergleicht man den Mundstückklang vor und nach der Verwendung des UPSOUND, kann tatsächlich eine Verbesserung bemerkt werden.

Pflege und Reinigung

Die Pflege und Reinigung des UPSOUND ist denkbar einfach: Durch das verwendete Material kann die Feuchtigkeit, die sich beim Spielen zwangsläufig im Filter und im Gehäuse sammelt, einfach mit einem Tuch abgewischt werden. Das ganze Gerät ist komplett zerlegbar, der Filter ist praktischerweise unter fließendem Wasser abwaschbar – der UPSOUND ist also überaus pflegeleicht und hygienisch unbedenklich.

"Es liegt an dir"

Wer sich nun wundert, wie die Blechbläserwelt in der Vergangenheit auch ohne UPSOUND herausragende Instrumentalisten hervorgebracht hat, der sei auf den Untertitel des Geräts hingewiesen: "It’s up to you" steht auf der Verpackung: "Es liegt an dir."

Wie bei allen Trainingshelfern muss darauf hingewiesen werden, dass das Gerät in dem Maß weiterhelfen kann, wie es sinnvoll eingesetzt wird. Und übrigens auch nur dann, wenn es eingesetzt wird. Denn der Erwerb des UPSOUND allein hilft nicht, auch wenn gleich sechs verschiedene hübsche Farbkombinationen zur Verfügung stehen.

Fazit

Sinnvoll und zielgerichtet eingesetzt, kann der UPSOUND ein tolles Werkzeug werden, das dem Musiker bei Training und Festigung des Ansatzes hilft. Ist man beim Training mit dem UPSOUND unkonzentriert oder abgelenkt, ist auch der Nutzen sicher eher marginal. Deshalb sei vom Gebrauch etwa beim Autofahren (zumindest, wenn man selbst der Fahrer ist) dringend abgeraten. Erstens, weil die Unfallgefahr logischerweise steigt, wenn man sich nicht aufs Autofahren konzentriert, und zweitens, weil man sich nicht auf die Arbeit mit dem Mundstück konzentrieren kann, wenn man gerade fährt.

Erhältlich ist der UPSOUND in Deutschland bei Musik Reisser in Ulm. Für 115 Euro ist der UPSOUND nicht gerade billig, dürfte aber durch die verwendeten Materialien sehr langlebig sein.

Eine mögliche Übung wird mit dem UPSOUND mitgeliefert, natürlich kann auch jede beliebige Mundstück-Übung mit dem UPSOUND durchgeführt werden. Bei richtiger Anwendung kann der Trainingshelfer einen richtigen Schub geben – die Arbeit mit dem Instrument ersetzt der kleine Kunststofffreund freilich nicht.

Einen Versuch wert ist der UPSOUND allemal. Aber nicht vergessen: "It’s up to you" – "es liegt an dir"!

www.reisser-musik.de

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