Über die Gestaltung von Kirchenkonzerten

  • 31.10.2017
  • Schwerpunktthema
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 24-26

Kirchenkonzerte sind im Laufe der letzten Jahrzehnte immer häufiger zu einem festen Punkt im Jahresplan der Orchester geworden. In einer (keineswegs als repräsentativ anzusehenden) Umfrage unter verschiedenen Dirigenten im deutschen Sprachraum zeigt sich, dass man hier oft sehr kreativ an die Arbeit gegangen ist.

Die konfessionelle Ausrichtung der Musikvereine

Die erste Frage richtete sich nach der konfessionellen Ausrichtung des Vereins. Dabei verwunderte es kaum, dass die übergroße Mehrheit katholisch geprägt ist, assoziiert man evangelische Bläser doch zumeist mit Posaunenchören.

Einige Dirigenten gaben ihre Antworten mit einem leichten Augenzwinkern. Renold Quade aus Düren (Landesblasorchester Nordrhein-Westfalen) sagte: »Wenn, dann wie im Rheinland üblich, die ›richtije Relijon‹, also katholisch.« Wolfgang Hauck (Stadtkapelle Rosenheim) stellte den Zusammenhang zur Bevölkerungsmehrheit der Region her: »Katholisch, der Region Oberbayern geschuldet.«

Sehr katholisch geprägt sei auch das Sauerland, so Ingo Samp vom Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Ennest. »Wir spielen daher meistens in der katholischen Kirche, ab und zu jedoch auch in der evangelischen.«

Ganz ohne konfessionelle Ausrichtung ist die Bläserphilharmonie Blaustein aus der Nähe von Ulm, die 2016 den Sieg beim Deutschen Orchesterwettbewerb errungen hat. »Viele Musiker sind aus der Kirche ausgetreten«, so Dirigent Manuel Epli. Das Orchester spielt einmal im Jahr in einer evangelischen Kirche. Bis Ende 2016 hatte man auch einen regelmäßigen Auftritt in einem katholischen Gotteshaus. »Wegen des unkooperativen Gemeinderates haben wir die Zusammenarbeit allerdings zum Jahreswechsel 2017 eingestellt.«

Die Akustik des Auftrittsortes Kirche

Die Wahl des Auftrittsortes hängt aber nicht nur von der konfessionellen Ausrichtung oder der Zusammenarbeit mit den Gremien vor Ort ab. Jochen Lorenz vom Sinfonischen Blasorchester Obere Nahe berichtet: »Wir spielen seit vielen Jahren eines unserer drei Neujahrskonzerte in einer evangelischen Kirche. Dies aber nur, weil die Akustik der im gleichen Ort befindlichen katholischen Kirche nicht geeignet ist.«

Frei von solchen Problemen ist man beim Blasorchester in Rodde, einem Ortsteil von Rheine. Dirigent Reinhard Greß spielt mit seinem Orchester dort in der katholischen Josefs-Kirche. »Sie verfügt über eine gute Akustik mit relativ geringem Nachhall. Sehr geeignet für Konzerte. Der Klang des Orchesters kommt sehr homogen und kompakt rüber.«

In Rodde gestaltet man seit fast drei Jahrzehnten jährlich eine Messe für die »Lebenden und Verstorbenen« des Blas-Orchesters Rodde mit. Seit 2008 folgt auf die Messe eine »Geistliche Abendmusik«, die ca. 30 bis maximal 40 Minuten dauert. »Ich habe dies eingeführt«, so Greß, weil sich die Probenarbeit an den sakralen Werken in den Monaten zuvor gleichsam als ›Hygiene‹ für den Orchesterklang darstellt.«

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