Über die Einigung von GEMA und YouTube

Nach sieben (!) Jahren zäher Verhandlungen und etlichen Rechtsstreitigkeiten wurde Ende des Jahres endlich eine Einigung zwischen YouTube und der GEMA erzielt. Vorbei sind die Zeiten der ungeliebten Sperrtafeln, vorbei die Hinweise darauf, dass »möglicherweise geschützte Inhalte« nicht wiedergegeben werden können. Eigentlich mehr als ein Grund zu Jubeln, aber ist für uns als YouTube-Nutzer damit nun endgültig alles geklärt? Die Antwort darauf lautet ganz klar: NEIN!

Alle lieben YouTube

Zunächst möchte ich an dieser Stelle betonen, dass diese Einigung – neben der Tatsache, dass sie längst überfällig war – gleichermaßen großartig für alle Urheber und YouTube-Nutzer ist. Wir alle lieben YouTube. Die Plattform ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und jeder nutzt diesen Google-Dienst; sei es über Social-Media-Verlinkungen (Facebook, Twitter etc.), sei es, um sich Tutorials (Anleitungen und praktische Tipps) anzuschauen, Probleme zu lösen, Produkte (oder sich selbst) darzustellen und zu bewerben, oder ganz einfach zu Unterhaltungszwecken jedweder Art.

Deshalb waren wir alle von den Sperrtafeln, die im Übrigen seitens YouTube willkürlich geschaltet wurden, so genervt. YouTube gehört für uns gefühlt zu einer Art »medialer Grundversorgung«. Manch einer mag sich deshalb gedacht haben: Ist doch klar, dass da die GEMA nicht weit weg ist und mit abkassieren will!

Recht auf mediale Grundbedürfnisse?

Bevor wir aber nun gedanklich wieder auf die GEMA einschlagen, möchte ich den Nicht-Eingeweihten an dieser Stelle den Sachverhalt noch einmal in vereinfachter Form darstellen: Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine Bäckerei. Die Semmelkörbe sind voll und natürlich haben Sie etliche Kunden, die ganz normal (das heißt Ware gegen Geld) bei Ihnen einkaufen.

Aber jeder Zweite beschwert sich über die Preise und jeder Dritte oder Vierte nimmt einfach Semmeln und geht raus – ohne zu zahlen! Auf den Kosten für Mehl, Salz, Wasser bleiben Sie als Bäcker sitzen. Die »Semmel-Diebe« organisieren sich dann an der nächsten Ecke und verkaufen die geklauten Brötchen teuer weiter.

Die örtliche Lokalzeitung schreibt über diese unglaublichen Vorfälle. Anstatt jedoch den Bäcker zu stärken, stellt sie sich hinter die Diebe. Schließlich kämen diese nur ihrem Recht nach, ein Grundbedürfnis zu bedienen.

Das PDF enthält alle fünf Artikel des Schwerpunktthemas "Digitale Medien: Segen und Fluch in der Musik":

  • 22.02.2017
  • Schwerpunktthema
  • Wolfgang Vetter
  • Ausgabe: 3/2017
  • Seite 38-39

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