Üben organisieren (3): Effektivität und Effizienz

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»Hör mir bloß auf mit diesem ganzen Selbstoptimierungszeug!« Diesen Satz schleuderte mir kürzlich eine befreundete Kollegin entgegen. Wir plauderten schon eine Weile bei einer Tasse Tee über dies und das, bis ich ihr davon erzählte, dass ich gerade eine Artikelreihe für die CLARINO schreibe. Das kommentierte sie noch mit einem freudigen »Toll!«. Doch als ich auf ihre Nachfrage »Und worum geht’s da?« erklärte, dass es im weitesten Sinn Gedanken und Anregungen sind, wie die Übezeit effektiv genutzt werden kann, platzte dieser Satz aus ihr heraus, begleitet von einem genervt-entsetzten Gesichtsausdruck.

Selbstoptimierung in der Musik?

Selbstoptimierung – da denke ich sofort an irgendwelche Science-Fiction-Film-Gesellschaften; an aalglatte Personen mit Zahnpasta-Lächeln und fitten Körpern, die nur reine Gedanken denken, nahezu allumfassend gebildet sind und in jeder Situation handlungssicher erscheinen… gruselig! 

Wir haben dann noch eine Weile über dieses Wort gesprochen; über Fitness-Armbänder, Effizienzhäuser und Kurse für »effektive Lernstrategien« für Fünftklässler. Und wir kamen irgendwann an den Punkt, dass Musikmachen eigentlich eine Tätigkeit sein sollte, bei der diese Begriffe – oder die ihnen zugrundeliegende Idee – nichts verloren haben. Eine »effizienzfreie Zone« sozusagen. Hach.

Definition von Effizienz und Effektivität

Im Nachgang dieses Gesprächs ist mir aufgefallen, dass ich eigentlich gar nicht so genau weiß, was diese Begriffe »Effizienz« und »Effektivität« bedeuten oder beschreiben. Also bin ich auf die Suche gegangen und habe festgestellt, dass es für die Überei doch sehr hilfreich sein kann, damit zu arbeiten. 

Sicher ist es für die meisten Musizierenden das Ziel, sich konzentriert und sorgenfrei in den Moment zu begeben, die Zeit zu vergessen, das Spielen als »ungemacht« und selbstverständlich zu erleben. Damit dies gelingen kann, muss ich über Grundfertigkeiten in der Handhabung des Instruments verfügen – und diese müssen trainiert werden. 

Damit sind wir schon wieder bei Zielen und Plänen, bei »Was übst du eigentlich, wenn du übst?« und vor allem bei »Wie übst du eigentlich?«. Aber beginnen wir mit den Begriffen.

Die kürzeste Definition, die mir an verschiedenen Orten meiner Recherche begegnet ist, lautet:

Effektivität = die richtigen Dinge tun

Effizienz = die Dinge richtig tun

  • 01.02.2019
  • Praxis
  • Sandra Engelhardt
  • Ausgabe: 2/2019
  • Seite 14-16

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