Trompeterin Kristin Thielemann: Eine neue Musikpädagogik, die begeistert

Foto: Antje Kroll-Witzer

Eine Trompeterin ist heute nichts Ungewöhnliches mehr, doch galt die Trompete lange Zeit als »Männerinstrument«, bei dem Kraft und Durchsetzungsvermögen gefragt sind. Grund genug für Kristin Thielemann, sich als Sechsjährige genau dieses Instrument auszusuchen.

Ballett und Trompete – eine sinnvolle Ergänzung

»Ich war ein wildes Mädchen und hatte immer tausend Ideen gleichzeitig im Kopf, für deren Umsetzung ich mit aller Macht gekämpft habe!«, erzählt die heute 41-Jährige, die in einem Dorf vor den Toren der Hansestadt Hamburg aufgewachsen ist.

Um den heiß ersehnten Trompetenunterricht zu erhalten, ging sie auf den Vorschlag der Mutter ein: »Unsere Abmachung lautete, wöchentlich ohne Widerworte Ballettstunden zu besuchen, um im Gegenzug Trompetenunterricht zu erhalten!«

Eigentlich war dieser Ballettunterricht ein großes Glück für das Mädchen, denn dieser wurde von einem professionellen Tänzer gehalten, einem Mitglied des Hamburger Balletts. »Hier habe ich gelernt, dass Disziplin, Ausdauer und harte Anstrengung wunderbare Dinge sind, um in den Flow zu geraten und die Arbeit zu genießen«, erzählt sie. Dinge, die sie heute versucht, ihren eigenen Kindern, aber auch ihren Musikschülern mitzugeben, die sie im Trompetenspiel unterrichtet.

Neue Wege im Trompetenunterricht

»Unterrichten ist nicht das richtige Wort!«, beharrt Kristin Thielemann lächelnd. »Ich unterweise niemanden! Ich wecke in Menschen die Begeisterung, Musik zu machen! Nur so geht es auf dem Lernweg leicht, aber vor allem glücklich voran.«

Denn jemanden mit ihrem Unterricht irgendwo hinzuziehen oder gar zu »schleifen«, wäre ihr nicht nur zu anstrengend: »Eine diktatorische Art des Unterrichtens grenzt für mich an Körperverletzung!«

Bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass man es hier nicht mit einer »handelsüblichen« Trompeterin und Musikpädagogin zu tun hat. Kristin Thielemann hinterfragt ausgetretene Pfade der Musikpädagogik und wagt es, auch mal unbekannte, neue Wege zu gehen – selbst wenn sie dafür mit Gegenwind rechnen muss. Aber das scheint die Norddeutsche gewöhnt zu sein, die sich als Schülerin und Studentin so manches Mal mit ihrer Trompete »durchbeißen« musste.

Kristin Thielemanns musikalischer Werdegang

Die ersten Schritte auf der Trompete machte Kristin Thielemann in der Musikschule Winsen/Luhe bei Martin Woodford, einem Absolventen des Londoner Royal College of Music. »Woody«, wie ihn seine Schüler liebevoll nannten, baute neben einem Jugendblasorchester eine Bigband auf, unternahm mit seinen Klangkörpern Konzertreisen nach England und Frankreich, verstand es, die Schüler zu einem eingeschworenen Team zu formen.

»Von seinen Schülern sind einige Berufsmusiker geworden. Ein schöner Erfolg für den sympathischen Engländer, der das Musikleben in meiner Heimat für viele Jahre sehr positiv geprägt hat!

  • 11.12.2019
  • Schwerpunktthema
  • Fabian Hamann
  • Ausgabe: 12/2019
  • Seite 32-35

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