Transatlantischer Austausch - Bilingualer Online-Unterricht in der Bläserklasse

  • 30.04.2015
  • Praxis
  • Christoph Breithack
  • Ausgabe: 5/2015
  • Seite 16-19

Zwischen der Realschule der Heimschule St. Landolin und der University of Michigan sowie der Eastern Kentucky University besteht eine Kooperation in Sachen Bläserklasse. Wie funktioniert und was bringt das eigentlich? Und was machen Amerikaner anders? Ein Vorort-Bericht.

Mittwoch, 14 Uhr, in Ettenheim/Südbaden. 36 Schülerinnen und Schüler der Realschule der Heimschule St. Landolin sitzen gespannt auf den Stühlen und schauen auf die Projektionswand. Nach einem Klick am Computer auf einen blauen Button mit der Aufschrift Join Meeting sind wenige Sekunden später gleichsam drei Personen mehr im Raum. »Hallo! Schön, euch wiederzusehen, wie geht es euch allen?« klingt es von der anderen Seite des Atlantiks herüber in die Ortenau. Die Stimmen aus dem Lautsprecher und die eingeblendeten Gesichter an der Projektionswand sind den Schülern vertraut, denn die drei amerikanischen Dirigier-Professoren unterrichten die Klasse nicht zum ersten Mal.

Seit Beginn des Schuljahres 2014/15 läuft in der Bläserklasse der Jahrgangsstufe 8 ein Kooperationsprojekt, in dessen Rahmen schon mehrere Online-Tele-Unterrichtsstunden stattgefunden haben, und im Dezember waren Prof. Dr. John D. Pasquale und Prof. Dr. Andrea Brown (University of Michigan) sowie Prof. Dr. David Clemmer (Eastern Kentucky University) für einen Tag in Ettenheim und haben die Schülerinnen und Schüler persönlich kennengelernt.

Was folgt, sind 60 Minuten höchst konzentriertes Arbeiten in einer Bläserklassenstunde, in der die Dirigenten aus Übersee wegen eines kleinen Zeitversatzes in der Bild- und Tonübertragung zwar nicht selbst dirigieren können, aber durch die Stunde führen und ansagen, welche Stellen der Musikstücke gespielt werden sollen. Als Musiklehrer im Klassenzimmer agiere ich sozusagen als ihr verlängerter Arm und dirigiere das Orchester. Dabei hat der Unterricht an vielen Stellen eher den Charakter von Instrumentalunterricht als den einer Orchesterprobe. »Es klingt, als liege die Zunge der Saxofonspieler zu tief im Mund, so als würden sie daa sagen. Es müsste eher so sein, als sagten sie duu, damit die Zunge weiter nach oben kommt.« Den Professoren, die an ihren Schreibtischen in Michigan und Kentucky sitzen, entgeht kein Detail, obwohl sie über 6000 Kilometer entfernt sind.

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