Trainingslager "Wie Bläser üben" (8) - Bis die Lippen müde sind

  • 23.08.2012
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 9/2012
  • Seite 20-21

Nicht jeder kommt morgens leicht in die Gänge. »Ich bin gewöhnlich etwas langsam bei Tagesanfang«, gibt Karin Hammar zu, »daher sind der Nachmittag und Abend für mich die beste Zeit zum Üben.« Die schwedische Posaunistin, die seit einigen Jahren die internationale Jazzszene aufmischt, glaubt an den Grundsatz: Wenn du einen Tag nicht übst, merkst du es; wenn du zwei Tage nicht übst, merkt es das Publikum. »Ich übe täglich«, sagt sie, »sofern ich nicht ein Konzert oder eine Probe habe. Wenn da zum Beispiel eine sechsstündige Probe ansteht, dann mache ich vorher nur ein Warm-up.

Aber wenn ich frei habe, muss ich mindestens eineinhalb bis zwei Stunden täglich an der Posaune verbringen, um in Form zu bleiben. Immer nach etwa 30 Minuten mache ich beim Üben eine Pause, also dauert es effektiv drei bis vier Stunden. Wenn ich mich auf eine anstrengende Studiosession, ein Konzert oder eine Tour vorbereite, übe ich auch mal bis zu drei Stunden. Aber am Tag vor einem wichtigen Konzert übertreibe ich es nicht mit dem Üben. Wenn man am Vortag zu viel gespielt hat, schwellen womöglich die Lippen an – und dann wird das Spielen schwieriger und macht weniger Spaß. Das ist sehr ­ähnlich wie bei Sportlern: Du musst hart trainieren, aber du musst manchmal auch einen freien Tag nehmen, damit die Muskeln ausruhen können. In der Ruhephase werden sie stark.«

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