Trainingslager "Wie Bläser üben" (6) - Geh in die Holzhütte!

  • 22.05.2012
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 18

Der Jazzpianist und Musikpädagoge Ellis Marsalis genießt in der Jazzstadt New Orleans einen legendären Ruf. Seine Söhne interessierten sich in jungen Jahren zwar mehr für andere Dinge – zum Beispiel Basketball –, aber natürlich lernten auch sie ein Musikinstrument. Als der Zweitälteste dann beim Vorspiel für die High-School-Band nicht recht überzeugte und die Frage zu hören bekam: »Bist du sicher, dass du der Sohn von Ellis bist?«, fühlte er sich doch bei der Ehre gepackt. Er begann Trompete zu üben – und er tat dies täglich für die nächsten sieben Jahre. Er wollte so spielen lernen wie Maurice André.

»Ich habe mir einen Plan für die technischen Grundlagen erstellt«, erinnert sich Wynton Marsalis, »Zungenstellung, Ton, Abschmieren, Lautstärke und so weiter. Mein Tagesablauf war auf meine Übungsstunden abgestimmt. Von den einfachsten technischen Grundübungen bis zu den kompliziertesten. Zuerst Atemübungen. Dann lange Töne und Atmung. Flexibilitätsübungen mit langen Tönen und Atmung. Zungenstellung mit langen Tönen, Atmung und Flexibilität. Dann die Etüden, damit man an den genannten Sachen arbeiten kann. Zum Schluss spielte ich die Soli, das Haydnsche oder das Brandenburgische oder ein Solo von Clifford Brown, und achtete dabei auf all die Techniken, an denen ich im Lauf des Tages gearbeitet hatte.«

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