Trainingslager "Wie Bläser üben" (5) - Hoch überm East River

  • 19.04.2012
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 5/2012
  • Seite 20

Stellen Sie sich vor, der aktuelle Formel-1-Weltmeister träte zur neuen Grand-Prix-Saison nicht an, weil er das Gefühl hätte, er müsse erst mal Autofahren üben. Wahrscheinlich würde ihn sein Rennstall um­gehend für verrückt erklären. Ganz ähnlich war es, als sich Sonny Rollins, damals nach allgemeiner Ansicht der führende Saxo­fonist im Jazz, im Sommer 1959 von der Szene zurückzog, weil er mit seinem Saxofonspiel nicht zufrieden war. Das überschwängliche Lob, das die Jazzpresse über ihn ausschüttete, hatte ihn nicht selbst­bewusst, sondern nachdenklich gemacht. 27 Monate lang gab er kein einziges Konzert und betrat kein Aufnahmestudio. »Sonny mied die Öffentlichkeit, um zu studieren, Ideen auszuprobieren und sich die Zeit zu nehmen, über sich, seine Musik und die Umgebung nachzudenken, in der er spielte und lebte«, fasste es sein Produzent George Avakian zusammen. 

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