Trainingslager "Wie Bläser üben" (28) - Die virtuelle Band

Wir üben in der Regel allein im stillen Kämmerchen. Doch was wir üben, wollen wir später mit einem Ensemble spielen: im Bläsersatz, im Musikverein, im Kammerstück, als Solist mit Orchester oder als Improvisator mit Band. Kein Wunder, dass wir uns beim Üben häufig wünschen, wir hätten das Ensemble bei uns und könnten schon mal ausprobieren, wie die Stimmen zusammen klingen, wie die Phrasierung und die Dynamik am besten zusammenpassen. Ein amerikanischer Musikstudent hatte da schon 1950 eine gute Idee: Er packte das fehlende Ensemble einfach auf eine Schallplatte und ließ dabei die Solostimme weg, die es zu üben galt. »Music Minus One« nannte er sein Start-up-Unternehmen. Den Anfang machten fünf verschiedene Versionen von Schuberts »Forellenquintett«, bei jeder fehlte ein anderer Instrumentalpart. Irv Kratkas Idee schlug so groß ein, dass bald Weltstars für »MMO« ins Studio gingen, nur um unvollständige Kammermusikwerke oder bloße Begleitungen zu mög­lichen Jazz-Soli aufzunehmen. Das Lieferprogramm umfasst heute rund 7000 Notenhefte mit beiliegender Ensemble-CD fürs Solo-Üben.

  • 26.05.2014
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2014
  • Seite 15

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