Trainingslager "Wie Bläser üben" (22) - Widerstände auflösen

Ein Mädchen, aufgewachsen auf einer idyllischen Farm im Westen Kanadas, setzt sich in den Kopf, Jazztrompete zu lernen. Sie ist erst 23 Jahre alt, da wird sie vom Bruckner-Konservatorium in Linz schon zur Trompeten-Professorin berufen. Seitdem ist Ingrid Jensen mit ihrer Trompete rund um den Globus zu Hause, spielt mit Jazzlegenden wie Gary Bartz, Terence Blanchard, Kenny Garrett, Clark Terry oder Frank Wess, ist Gaststar zahlreicher Bigbands, gibt Workshops und Kurse an Konservatorien und Universitäten. 

Die Prägung für den Jazz brachte sie freilich schon von zu Hause mit. Ihre Mutter hörte auf der Farm ständig Jazzplatten und spielte selbst Klavier. Was das Üben angeht, war die Mutter allerdings kein Vorbild: Neben der Erziehung ihrer drei Töchter hatte sie einen Vollzeitjob und übte am Klavier daher eher »spontan«. Und doch hat Ingrid Jensen etwas Wichtiges von ihr gelernt: Zum Spielen und Üben schuf sie sich eine Art Trance-Raum, sie räumte alle störenden Dinge aus dem Weg. »Wenn ich anfange, Trompete zu üben, will ich daher keine Ablenkungen haben. Ich fahre den Computer herunter, schalte das Telefon ab, versperre es in der Schublade, hänge ein ›Do not disturb‹-Schild vor die Tür.«

  • 19.11.2013
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2013
  • Seite 22

« zurück