Trainingslager "Wie Bläser üben" (11) - Der permanente Luftstrom

In vielen Bläserkulturen ist die Zirkular­atmung – der nicht abreißende Ton – ein wesentliches musikalisches Element. Ob die jeweilige Kegeloboe nun Zurna, Zukra, Ghaita, Shehnai oder Suona heißt: Von Westafrika bis Ostasien lernen die Bläser, dieses Instrument mit gleichmäßigem, steti­gem Luftstrom zu spielen. Auch Volksklarinetten wie Launeddas und Arghul werden in der Regel mit permanentem Ton ­geblasen. Diese Praxis kommt aus jahr­tausendealten Traditionen, in denen Bläser als Solisten, Bordunspieler und Trance-Tänzer ganz ohne Unterstützung anderer Melodie-Instrumente agieren – und das oft stundenlang ohne Unterbrechung. Für das australische Didgeridoo, das seit den 1980er Jahren im Westen populär wurde, ist der Dauer-Ton ebenfalls typisch: Hier liefert die Zirkularatmung oft sogar den Rhythmus und den einschlägigen Wobble-Klang. In Mitteleuropa dagegen sind es ­traditionell nicht die Blasmusiker, die sich der »Kreisatmung« bedienen, sondern eher kunstgewerbliche Produzenten wie Glasbläser oder Goldschmiede.

  • 19.11.2012
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2012
  • Seite 14

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