Trainingslager "Wie Bläser üben" (10) - Das Gehirn wächst mit

  • 17.10.2012
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 11/2012
  • Seite 15

Wenn wir auf unserem Instrument regelmäßig üben, machen wir dabei über kurz oder lang Fortschritte. Das heißt: Wir lernen. Wir verbessern unsere instrumentalen Fähigkeiten. Diese Entwicklung beschränkt sich aber keineswegs auf die athletische Geschicklichkeit von Fingern, Mund oder Lunge, sondern findet vor allem im Gehirn statt, das sich durch das Üben verändert. Denn unser Gehirn ist nicht etwa ein starres Gefäß, das man mechanisch befüllen kann, sondern ein formbares, sich ständig neu strukturierendes Organ. Man spricht hier von »Neuroplastizität«. Regelmäßiges Üben bewirkt, dass in der Großhirnrinde die zuständigen Gebiete für die Feinmotorik und für die Wahrnehmung von Tönen wachsen – und dass sich dort die Verbindungen zwischen den Nervenzellen vermehren und verstärken. Tatsächlich lassen sich schon nach 20-minütigem Üben neue Nervenverbindungen im Gehirn nachweisen. Dabei gilt: Je jünger man mit Üben ­beginnt, desto größer ist der Effekt aufs Gehirn. Bekanntlich entwickeln Musiker im Gehirn auch einen verdickten »Balken«: Das ist der Teil, der die rechte und die linke Gehirnhälfte – Emotion und Intellekt – miteinander verschaltet. Diese Verschaltung erleichtert auch das Erlernen von Sprachen oder Mathematik.

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