Tränen aus Klang: Zum 10. Todestag von Charlie Mariano

Charlie Mariano (Foto: enja)

Er war der Inbegriff des globalen Musikers – erfolgreich im amerikanischen Jazz, inspiriert von südindischer Musik, heimisch geworden in der europäischen Szene. Der Saxofonist Charlie Mariano war vier Jahrzehnte lang in Europa zu Hause, er lebte unter anderem in Stuttgart, Berlin, München und Köln. Sein zu Herzen gehendes Saxofonspiel passte in viele Genres. »Ich bin kein Purist«, sagte er.

Am Ende war er einer der populärsten Saxofonisten in Deutschland. Charlie Mariano (1923 bis 2009) hat hierzulande mit seinem Spiel die Aufnahmen und Konzerte zahlreicher Interpreten und Bands veredelt. 1971 arbeitete er erstmals in Europa, kurz darauf wurde er Mitglied der in München beheimateten Formation Embryo, einer Pionierband des World-Jazz.

Dutzende Produktionen

Es folgten Dutzende von Produktionen mit hiesigen Künstlern wie Toto Blanke, Eberhard Weber, dem United Jazz & Rock Ensemble, Rolf Kühn, Osiris, Volker Kriegel, Thilo von Westernhagen, Peter Finger, Rabih Abou-Khalil, Herbert Grönemeyer, Wolfgang Dauner, Stefan Bauer, Peter Herbolzheimer, Theo Jörgensmann, Dieter Ilg, Mike Herting, den Dissidenten oder dem Modern String Quartet.

Die unverkennbaren Klänge aus dem Saxofon von Charlie Mariano waren außerdem auf Hörbüchern und Film-Soundtracks zu hören. 1986 spielte Charlie Mariano erstmals auch auf einem Album des bayerischen Liedermachers Konstantin Wecker – »Wieder dahoam«. Danach gehörte der Saxofonist jahrelang zu Weckers Konzertband.

In Konstantin Weckers Konzertband

Als Charlie Mariano 2009 in Köln starb, schrieb der Liedermacher diese Zeilen: »Mit Mariano zu spielen ist für jeden Musiker ein Ritterschlag. Ich hatte großen Respekt vor dir und vielleicht sogar ein wenig Angst. Die hast du mir vom ersten Augenblick an genommen. Deine Herzlichkeit, deine Lässigkeit und natürlich dein hinreißender Ton auf dem Alt nahmen mir schon bald jede Scheu. Bei dir hab ich gespürt, dass nur eine schöne Seele so einen schönen Ton hervorbringen kann. Manchmal hast du mir im Tourneebus deine späten, lyrischen und schlichten Kompositionen vorgespielt. In deiner Nähe wurde vieles leichter und wärmer, und auf der Bühne hast du mir durch deine Anerkennung meiner Musik viel Kraft gegeben. Unvergessen deine Melodienflut beim Improvisieren und diese Bescheidenheit, die nur großen Künstlern zu eigen ist.«

  • 25.06.2019
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 40-41

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