Tradition und Moderne: Was sind die beliebtesten Märsche?

Foto: Alexandra Link

Warum lieben wir Märsche? Eine gute Frage, die nicht so einfach zu beantworten ist. Einen Marsch zu spielen macht Spaß. Einen Marsch zu hören bringt dem Publikum Freude. In der überwiegenden Zahl der Blasmusik-Konzerte wird mindestens ein Marsch gespielt – sowohl im Konzertsaal als auch im Sommerprogramm. 

Mit einem Marsch wird logischerweise auch marschiert. Ein Festumzug ohne Blasmusik wäre vermutlich eine ziemlich traurige Angelegenheit. Zum Sehen gehört das Hören. Aber die Funktionsweise des Marschs als Unterstützung beim Marschieren von Kolonnen von Soldaten in der Nazizeit ist uns als Bild ebenfalls immer vor Augen.

Was ist trotz allem das Besondere an Märschen? Eine Facebook-Umfrage von blasmusikblog.com erbrachte zwar nicht die eine Antwort auf die Frage, förderte aber sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema Marschmusik und Marschieren zutage. 

Sehr spontan kam von einem Musikverlags-Chef, der sich eher mit anderen Gattungen der Musik beschäftigt, die Antwort: »seine Tradition«.

Genau. Denken wir an unsere Traditionsmärsche: »Hoch Heidecksburg«, »Alte Kameraden«, »Unter dem Doppeladler« und wie sie alle heißen. Eine weitere – verständliche – Reaktion war: Märsche seien »traditionell, doch eher auch problembehaftet, oder?« 

Märsche: problembehaftetes Thema für die Deutschen

Märsche sind einerseits eine Gattung, auf die wir stolz sein können, die andererseits aber auch die Gedanken an Krieg, Soldaten und den Nationalsozialismus hervorrufen. Das Thema »Marsch« ist kein leichtes für die Deutschen. 

Nennen wir einen dieser »problembehafteten« Märsche ruhig beim Namen: »Badonviller Marsch«, den Lieblingsmarsch Hitlers. Spielen? Nicht spielen? Eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Nicht gespielt wird er in den Reihen der Bundeswehr und der Polizei.

Konzertmärsche: Marschieren unmöglich

Im weiteren Diskussionsverlauf war vom Marsch als »Gebrauchsmusik« die Rede. Es wurde auch hervorgehoben, dass es viele unterschiedliche Arten von Märschen gibt. Es gibt sogar Märsche, zu denen marschieren unmöglich ist: 

die sogenannten »Konzertmärsche«. Zu nennen wären hier etwa »Pomp and Circumstance«, der Slow-March »Orion« oder »Navigation Inn« – wenngleich Letzterer von Philip Sparke für die »Whit Friday«-Marschwettbewerbe in England geschrieben wurde.

Märsche aus anderen Ländern

Die Unterschiedlichkeit der Märsche zeigt sich auch in ihrer Herkunft. Es gibt typisch englische Märsche. Auch die amerikanischen Märsche eines John Philip Sousa haben ihr eigenes Gesicht, und italienische Märsche haben ihren besonderen Stil. 

Im Facebook-Post wurden weiter die unterschiedlichen Tempi der Märsche aus Bulgarien oder generell aus dem Osten Europas genannt.

  • 03.07.2019
  • Schwerpunktthema
  • Alexandra Link
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 30-31

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