Tipps vom Profi - Till Brönner im Interview

  • 17.12.2012
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2013
  • Seite 12-14

Till Brönner hat eine neue CD. Nein, Till Brönner hat eine neue, eine großartige CD. Die einen bemerken ­zuerst, dass der 41-Jährige nicht singt, die anderen loben, dass er den Jazz (wieder-)entdeckt und das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung schwärmt, dass das »was er auf seinem Album liefert, streckenweise besser ist, als die Musik seiner Vorbilder«. Till Brönner freut sich darüber.

»Das ist natürlich schon eine ziemliche Aussage. Das geht an keinem Künstler einfach so vorbei. Das ist ein schönes Kompliment. Mein Ziel ist es natürlich nicht ge­wesen, auf solche Dinge hinzuarbeiten.« Zurzeit sei er an einem Punkt, an dem er sich sehr wohl fühle. »Musikalisch habe ich das Gefühl, in meiner Mitte zu sein. Ich darf das machen, was ich glaube, am besten zu können. Und das ist kein schlechter Ansatz. Es macht Spaß, einfach mal ein ­Album pur auf der Trompete oder dem ­Flügelhorn aufzunehmen – und dafür den Daumen nach oben gezeigt zu bekommen.«

Seinen ersten Auftritt hatte Till Brönner Ende November in der Münchner Muffathalle. Eine Halle, die für Jazzkonzerte, so meint man, eigentlich zu groß ist. Nicht für Brönner: Die Muffathalle war voll. Das führt zu der Frage, ob es dem Trompeter und Flügelhornisten mit dem neuen Album vielleicht tatsächlich möglich sein könnte, die zwei Lager des Jazz zu vereinen? Dass also Personen, die seine Alben wegen des Gesangs hören und die »Jazzpuristen?« einen gemeinsamen Nenner finden? »Mög­licherweise ist das kein schlechtes Album für so etwas, in der Tat. Es gibt während der Konzerte vereinzelt Rufe, die fordern: ›Sing doch mal was!‹ Ich mache das diesmal aber nicht. Die Reaktionen sind trotzdem interessiert bis begeistert, weil man gerne mal dem Künstler bei seiner Haltung beiwohnt, die er da an den Tag legt. Es überwiegt dann meistens das Gefühl: ›Jetzt hat uns Till Brönner auf eine andere Reise mitgenommen.‹ Es überwiegt nicht die Enttäuschung.«

CLARINO: Im Trompetenforum wird viel diskutiert. Es war ein User dabei, der sich bei Ihrem Konzert in München offenbar vor allem mit der Frage beschäftigt hat, wie Sie das Wasser aus ihren Instrumenten bekommen. Sie nutzen scheinbar nur die Schwerkraft…?

Till Brönner: Ja, das stimmt. Das hat einen ganz einfachen Hintergrund: Ich arbeite mit einem Clip-on-Mikrofon. Immer dann, wenn ich das Wasser lautstark rausblase, rauscht es laut im ganzen Saal. Insofern lass ich das lieber. Bei einem Standmikro wäre das natürlich möglich – und dann wird auch rausgeblasen. Aber es ist tatsächlich nicht erforderlich. Ich lasse das Wasser zwar durch die Wasserklappen raus, ohne eben in die Trompete zu blasen. Beim Flügelhorn lässt man das Wasser am besten aus dem Mundrohr raus. Das ist vielleicht geschmacklich nicht besonders wertvoll, aber da läuft es wirklich sofort. Ich blase auch gerne über das zweite Ventil aus. Wenn ich das drücke, kommt wirklich nur da die Luft raus und zwar sehr leise. So kann ich schnell die Maschine entwässern. Wenns blubbert, nervt das barbarisch.

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