Tipps vom Profi - Thorsten Skringer im Interview

Er steht ständig auf der Bühne. Am häufigsten wohl bei TV TOTAL mit den »Heavytones«. Zudem gibt er Workshops, Bootcamps für Saxofonisten und gilt als Tausendsassa am Saxofon. Er ist ein ­Musiker mit Lizenz zum Grooven. Er würde gerne mal die Methode der Breckers ausprobieren: Acht Stunden Arbeiten, acht Stunden ruhen, acht Stunden Arbeiten, acht Stunden ruhen usw. Dann hätte der Tag zwar nur 16 Stunden, das Jahr aber ein drittel mehr Tage... Da könnte man viel mehr üben. 

CLARINO: Was empfehlen Sie anderen Musikern? Wie lange sollte man eigentlich üben?

Thorsten Skringer: Es ist gar nicht wichtig, sich ein Zeitlimit zu setzen. Das ist vor ­allem bei dem Freizeitstress der heutigen Generation gar nicht mehr möglich. Jeder Musiker sollte seine Übeeinheiten in sinnvolle Etappen unterteilen. Ich habe gestern und vorgestern jeweils etwa sieben Stunden geübt, hätte aber 50 Stunden gebraucht, um zu erreichen, was ich erreichen wollte. Stundenangaben sind immer relativ. Ich unterteile mein Üben in mindestens drei Teilbereiche: Technik, Sound und »Voka­bular«. Vokabular kann alles sein. Das kann ein Stück sein, das ich für einen Auftritt brauche, oder ein neuer Jazz-Standard. Dann ist es nicht so wichtig, wie lange ich geübt habe. Wichtig ist die Einteilung.

Wenn ich nun beispielsweise »Vokabular« übe und bei einem Werk einfach nicht weiterkomme – haben Sie für die Problematik ein »Rezept«?

Wenn man eine gesunde Selbstreflexion hat, kommt man eigentlich immer weiter. Spätestens dann, wenn man sich technischer Hilfsmittel bedient und sich beispielsweise selbst aufnimmt. Dann kann ich mich selbst von außen wahrnehmen und erkennen, woran etwas liegt. Wenn ich eine Passage technisch nicht hinbekomme – sei es, weil sie zu schnell ist oder technisch diffizil –, dann komme ich auf jeden Fall weiter, sobald ich mit dem Metronom auf das halbe Tempo gehe. Dann paukt man die Passage Schritt für Schritt hoch. Das ist dann eine Sache der Disziplin. Viele Musiker haben Schwierigkeiten, Stücke halb so langsam zu spielen. Da fehlt es dann an der inneren Ruhe. Viele Musiker denken dann, dass das sehr zeitintensiv sei und verhältnismäßig wenig Resultate bringe. Außerdem werden Wissensdefizite der Rhythmik oder der Harmonik noch deutlicher. 

  • 22.05.2012
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2012
  • Seite 20-21

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