Tipps vom Profi - Rüdiger Baldauf im Interview

Beim Verlag Voggenreiter wird im Sommer ein »Moderner Ratgeber für Trompeter« erscheinen. Geschrieben hat ihn Rüdiger Baldauf. Der 51-Jährige gehört zu den vielseitigsten Instrumentalisten der ­Szene. Seit 2003 ist der Yamaha-Endorser Trompeter der Heavytones bei »TV Total«.

CLARINO: Rüdiger Baldauf, und noch ein neues Trompetenbuch – war das wirklich nötig?

Rüdiger Baldauf: Das habe ich mich natürlich auch gefragt. Ich habe ein Buch geschrieben, in dem unterschiedliche Wege zum Erfolg angeboten werden. Es gibt meist mehrere Lösungsvorschläge. Das Buch ist alphabetisch aufgebaut, es ist also ein Nachschlagewerk. Ich verweise auch auf andere Schulen und gebe Literaturtipps. Viele Schulen sagen mir nämlich zu dogmatisch: »Tu das, was ich dir sage!« Auch mein Ratgeber ist ja keine neue Er­findung, sondern eine Zusammenfassung von vielen erfolgreichen Schulen, bei denen ich mir das Wesentliche herausgefiltert habe, um es in meinen Zusammenhang zu bringen.

Hast du denn deine eigenen Erfahrungen aus Workshops bzw. aus der eigenen Karriere eingebracht? 

Ich habe ja tatsächlich schon viele Erfahrungen selber gemacht. Dazu kommt, dass ich bis zu 300 Trompeter im Jahr kennen­lerne. Dadurch sehe ich, was funktioniert – und was nicht. Diese Rückschlüsse fasse ich nun zusammen. 

Ist es ein Unterschied, ob man als studierter Pädagoge oder als erfolgreicher Musiker solch ein Buch schreibt?

Die Herangehensweise ist eine andere. Ich habe tatsächlich nie Pädagogik studiert und ob ich ein guter Lehrer bin, diese Be­urteilung überlasse ich den Schülern und Studenten – meine Herangehensweise ist ohne Zweifel sehr praxisorientiert. Inzwischen habe ich natürlich auch genügend Erfahrung im Unterrichten gesammelt – ich habe aber mit 16 bereits unterrichtet und war zehn Jahre Dozent an der Musikhochschule Köln, Abteilung Aachen. Wenn jemand gut Trompete spielt und im Wesent­lichen alle Dinge funktionieren, würde ich ihn oder sie nicht verändern, nur um es optisch, also theoretisch richtiger zu machen. Ich würde nicht darauf beharren, dass die Ansatzposition in der Mitte des Mundes sein muss, oder das Instrument in einem bestimmten Winkel zum Mund ­stehen muss, da auch andere Aspekte mit einbezogen werden sollten, wie die Zahn- oder Kieferstellung. Es gibt viele Beispiele von kuriosen Ansatzbildern, die dokumentieren, dass es nicht nur einen Weg gibt zum erfolgreichen Trompetespielen. Mein Fazit: Man gehe von der Praxis aus.

  • 20.03.2012
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2012
  • Seite 16-17

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