Theinerts Thema: Pausen sind notwendig!

  • 08.12.2017
  • Schwerpunktthema
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 12/2017
  • Seite 34-37

Regeneration ist nicht nur im Sport in Bezug auf die Anstrengung wichtig. "Abwechslung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen", weiß Markus Theinert. Dazu zählen nicht nur Spannung und Entspannung, sondern auch Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Ruhe und Aktivität.

Der Begriff "Regeneration" ist heute in aller Munde, und überhaupt wird immer deutlicher, wie wichtig das richtige Verhältnis von Spannung und Entspannung ist. Ist das auch ein Thema für Musiker?

Abwechslung gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Dazu zählen nicht nur Spannung und Entspannung, sondern auch Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Ruhe und Aktivität. Die zyklischen Veränderungen im Tagesablauf oder auch die Wechsel der Jahreszeiten sind für jeden von uns absolut lebensnotwendig.

Spannung und Entspannung – sowohl was den Körper angeht als auch den inneren geistigen Zustand –, ist etwas, das zum Leben und zur Gesunderhaltung von Körper und Geist dazugehört. Ich glaube, dass auch für den Musiker eine gesunde Balance zwischen Herausforderung und Spaß, zwischen Arbeit und dem Lohn, der am Ende einer solchen Arbeit in Form eines musikalischen Erlebnisses stehen kann, bestehen muss.

Niemand kann nur unter Spannung voranschreiten, ohne sich Phasen zu gönnen, die auch der komplementären Entspannung Raum geben. Wir sind in diesem Sinne vielleicht muskulär nicht ganz so gefordert wie ein Hochleistungssportler, aber in jedem Fall sind wir im Gesamtkonzept von Körper und Geist durchaus von einem solchen Ausgleich abhängig.

Auch wenn wir nicht so gefordert sind wie Hochleistungssportler, möchte ich trotzdem ganz gern beim körperlichen Aspekt bleiben: Wie kommen Sie zur Entspannung während einer Probenphase? Wie verschaffen Sie den Musikern Entspannungsphasen? Gibt es da zwischendurch Pausen oder werden Stücke gespielt, die eher entspannend sind in bläserischer Hinsicht?

Genauso ist es. Aber das müssen nicht zwingend immer nur leichtere Stücke sein, solange der Charakter und Stil eben andere Anforderungen stellt. Wenn man zum Beispiel für eine Weile an technisch anspruchsvollen Werken gearbeitet hat, dann kommt natürlich ein breit angelegtes, ruhiges Stück als wunderbarer Ausgleich sehr gelegen.

Das ist ja nicht unbedingt leichter zu spielen, aber unsere Aufmerksamkeit richtet sich eben auf andere Aspekte, zum Beispiel statt auf die reine Fingertechnik auf den Klangreichtum, die Luftführung und so weiter. Je mehr Abwechslung wir uns schaffen, desto besser erreichen wir die erforderliche Ausgeglichenheit in Körper und Bewusstsein, die es uns erlaubt, ein solches Wochenende oder eine solche Arbeitsphase ohne Schaden und Motivationsverlust zu überstehen. Natürlich sind auch die Pausen zwischendurch absolut notwendig.

Ich bin fest davon überzeugt, dass ohne Pausen so ein Wochenende nicht konstruktiv sein kann, weil wir die vielen und facettenreichen Aspekte des Musizierens gar nicht erst aufnehmen und verarbeiten können. Auch wenn es vielerorts die Auffassung gibt, dass durch eine Pause alles unterbrochen wird und es eine gewisse Zeit braucht, bis jeder wieder bei der Sache ist:

Ich glaube dennoch, dass wir das schon deshalb in Kauf nehmen müssen, um beispielsweise auch die notwendige soziale Komponente zu gestatten, die zu so einer Probenarbeitsphase unbedingt dazugehört. Der Musiker muss auch einmal in der Lage sein, das Instrument ganz wegzulegen und zwischendurch etwas anderes zu tun, mit den Kollegen tratschen oder einen Spaziergang machen. Die Abwechslung ist also nicht nur im Repertoire erforderlich, sondern auch für die aktiven Proben- und Pausenplanung unheimlich wichtig.

Wie sieht’s beim Dirigenten aus? Nach einer langen Probe kann der Dirigent schon mal Rücken- oder Schulterschmerzen haben. Was tun Sie, um fit zu bleiben und um den notwendigen körperlichen Ausgleich zu bekommen?

Zunächst einmal ist die Schlagtechnik dafür verantwortlich, ob wir eine lange Probe durchhalten können oder nicht. Das hängt im Wesentlichen davon ab, ob das Spannungs- und Entspannungsverhältnis im Mikrokosmos des einzelnen Schlages bereits enthalten ist.

Wenn unsere Muskulatur, unser Arm zwischen den Schlägen nicht vollständig entspannt, sondern in stetiger Anspannung im Grunde genommen nur das Schlagbild in die Luft zeichnet, dann kommt es nicht nur zu muskulären Verspannungen, sondern unter Umständen auch zu dauerhaften Nervenschäden und starken Schmerzen. Dann ist es oft zu spät, an die Pause oder ans Regenerieren zu denken.

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