Theinerts Thema: Musik und Politik

Markus Theinert (Foto: Mannheimer Bläserphilharmonie)

Musik und Politik. Gehören diese beiden unweigerlich zusammen? Oder sollten sie strikt getrennt sein? Geht das überhaupt – selbst wenn man es wollte? Wie geht man mit »politisch belasteter« Musik um? Mit kindlicher Naivität? Fragen über Fragen, die wir mit Markus Theinert erörtern wollen.

Herr Theinert, ist es eigentlich besser, wenn die Politik die Rahmenbedingungen für die Musik schafft oder wenn sie sich raushält?

Das ist eine sehr knifflige Frage, denn die Politik hat sich in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder darum bemüht, dass Musik – und Kultur im Allgemeinen – einen Platz im Gemeinwesen bekommt. 

Sicher­lich fragt man sich: Können Künstler nicht vollständig unabhängig arbeiten und Resultate auch erzielen, ohne dass sich die öffentliche Hand um diese Facette des menschlichen Daseins kümmert? Es hat sich aber doch gezeigt, dass auch die großen Künstler ohne Zuwendung und Unterstützung von politischer Seite kaum überleben konnten. Das alleine veranlasst mich zu der Annahme, dass das Bemühen der Politik um die Kultur durchaus wichtig ist. 

Kultur und Kulturgüter sind Gemeingut und nicht für den Einzelnen alleine bestimmt. Das gilt in gewissem Maße auch für die ­Musik. Natürlich kann man im eigenen Kämmerlein musizieren, komponieren, improvisieren – aber das sind doch Erlebnisse, die wir mit anderen teilen wollen. Und dafür braucht man bestimmte Rahmenbedingungen. 

Wenn diese mithilfe privater Sponsoren oder Mäzene geschaffen werden können, dann ist das sicher nicht falsch. Aber die Politik hat hier einen ganz anderen Stellenwert und eine ganz andere Reichweite. Die Politik muss Bedingungen schaffen, die wir als Bürger benötigen. 

In gewisser Weise gelten also dieselben Regeln wie für die Infrastruktur. Wir erwarten von der Politik, dass sie uns Straßen und andere Verkehrswege zu Verfügung stellt. Auch die Musik braucht eine Infrastruktur. Für die Musik benötigt man Einrichtungen, an denen unterrichtet wird, und Konzert­säle, in denen die Proben und öffentlichen Aufführungen stattfinden können. Das aus rein privater Initiative zu etablieren, erscheint mir geradezu unmöglich. 

Sie sprechen von Infrastruktur und Gebäuden. Wo sehen Sie dann die Grenzen der Politik? Wo sollte sie sich raushalten? Wie weit darf die Einmischung gehen? Da, wo es ans eigentliche Musizieren geht? 

Da sprechen Sie einen ganz wunden Punkt an, denn von Einmischung habe ich ja bisher noch gar nicht gesprochen. Es ist vielleicht nur ein Wunschtraum, wenn man sagt: »Die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, aber sie hat nicht mitzureden, wenn es um die Kunst selbst geht!« Aber genau dieser Zustand hat in der Geschichte immer wieder zu nahezu idealen Partnerschaften geführt. 

Nehmen wir zum Beispiel den Prinzen Anton aus dem Hause Esterházy: Der hat eben doch in gewisser Weise selbstlos Joseph Haydn die Gelegenheit gegeben, unabhängig zu arbeiten: Haydn konnte die Hofkapelle entwickeln, komponieren – und das alles im Wesent­lichen ohne große Einmischung, wenn man einmal von der quantitativen Erwartung des Fürsten absieht, dass jede Woche etwas »Neues« zur Aufführung gelangen sollte. Es waren Menschen und in gewisser Weise Politiker, die die notwendigen Mittel zur Verfügung stellten und den Künstlern den Freiraum gaben, sich zu entfalten und schöpferisch zu betätigen. 

Hier sollte auch für die heutige Politik die Grenze sein. Das Schaffen selbst soll nicht bestimmt werden, sondern nur die substanziellen, materiellen Voraussetzungen für die Kunst geschaffen werden. Ich spreche von Konzertsälen, aber es gibt in der musikalischen Ausbildung unserer Jugend großen Bedarf, und auch die Orchester und Musikvereine müssen sich auf kommunalpolitische Un­ter­stützung verlassen können.

Das Schwerpunktthema »Musik und Politik« besteht aus vier Artikeln mit insgesamt 11 Seiten: 

  • 20.12.2018
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 26-28

« zurück