Theinerts Thema: Kooperationen sind Win-Win-Situationen

Markus Theinert (Foto: Mannheimer Bläserphilharmonie)

Kooperationen gibt es auch zwischen Musikern und Herstellern. Markus Theinert, Vicepresident Marketing & International Sales bei Conn-Selmer, hat dabei tagtäglich auch mit Musikern zu tun.

Es ist gang und gäbe, dass Musikinstrumentenhersteller mit Musikern kooperieren – warum eigentlich?

Das liegt in der Natur der Sache. Wer Instrumente baut, muss sich mit der Kundschaft intensiv auseinandersetzen. In der Geschichte des Instrumentenbaus bestand stets eine enge Verbindung zwischen Herstellern und Musikern. Am Beispiel der Geschichte der Firma Conn-Selmer kann man ja sehen, dass großartige Musiker selbst irgendwann zu Instrumentenbauern geworden sind.

Nehmen Sie etwa Vincent Bach, den Posaunisten Frank Holton oder die Klarinettisten Alexandre und Henri Selmer. Oder auch den Kornettisten Charles Conn oder den Schlagzeuger William Ludwig… Das sind musikalische Persönlichkeiten mit einem professionellen Hintergrund, die diese Firmen überhaupt erst ins Leben gerufen haben.

Gehen wir noch weiter zurück und betrachten den italienischen Geigenbau des 17. Jahrhunderts: Wir wissen ja nicht einmal, ob der berühmte Antonio Stradivari jemals überhaupt Geige gespielt hat. Ich bin zwar davon überzeugt, dass er sie zumindest auf einem relativ guten Amateurlevel beherrschen konnte. Aber Stradivari ist zunächst als Geigenbauer groß geworden und musste sich als solcher mit den großen Geigern seiner Zeit auseinandersetzen, damit sein experimentelles Ringen um die »ultimative « Violine zum Erfolg führen konnte.

Eine Zusammenarbeit – gestern wie heute – beinhaltet immer Gegenseitigkeit, einen echten Dialog. Es geht nicht darum, dass der Musiker dem Hersteller sagt, wie das Instrument auszuschauen hat. Es reicht auch nicht aus, dass der Fabrikant kommuniziert, was von seinen neuen Modellen alles zu erwarten ist. Man muss sich auf Grundlage der Bedürfnisse zusammenfinden. Musikinstrumentenbau ist keine Einbahnstraße.

Musiker und Hersteller müssen also sozusagen wissen, was sie voneinander wollen, sie müssen sich verstehen, richtig?

Sie müssen sich auf derselben Ebene verstehen und wenn wir jetzt davon ausgehen, dass nicht jeder – wie in den eben genannten Beispielen – seine eigenen Instrumente baut, dann ist das eine gewisse Herausforderung. Denn der kreative Musiker und der systematische Ingenieur bzw. Instrumentenentwickler sprechen nicht unbedingt die gleiche Sprache.

Wir haben auf der einen Seite eine schöpferische Annäherung an den Klang und an all die Dinge, die man mit dem Instrument anstellen kann, auf der anderen Seite hingegen eine eher technische Annäherung an das Sujet. Da geht es um Wandstärken, Materialdichte, Holzablagerungsprozesse, Durchglühtemperaturen und andere Parameter, die einem Musiker zunächst einmal gar nichts sagen.

Auch der Instrumentenbauer kann nicht unbedingt nachvollziehen, was ein Musiker unter dunklerem Klang« oder »schnellerer Ansprache« versteht. Hier muss man sich auf eine Übersetzung der jeweiligen Terminologie einigen. Beide Seiten müssen Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven haben, dann geht diese Kooperation, dieser Dialog natürlich wesentlich leichter von der Hand.

  • 18.06.2019
  • Schwerpunktthema
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2019
  • Seite 30-32

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