Theinerts Thema: Das hohe Blech

Markus Theinert (Foto: Mannheimer Bläserphilharmonie)

»Von Natur aus«, findet Markus Theinert, »steht den hohen Blechblasinstrumenten eine Führungsrolle im melodischen und dynamischen Bereich zu. Dies gilt nicht nur innerhalb des Blechs, sondern auch für den Gesamtklang im Orchester.«

Herr Theinert, welche Qualitäten muss denn ein Spieler im hohen Blech mitbringen? Führungsqualitäten oder Einpassungsfähigkeiten?

Hier fällt mir die Antwort sehr leicht, weil es wirklich um beides geht – da kann ich nicht einmal den Schwerpunkt auf die eine oder andere These setzen. Denn von Natur aus steht den hohen Blechblasinstrumenten eine Führungsrolle im melodischen und dynamischen Bereich zu. Dies gilt nicht nur innerhalb des Blechs, sondern auch für den Gesamtklang im Orchester, wo sie gerade im Forte und Fortissimo oft die dominierende Stimme sind. 

Also benötigt ein Trompeter, ein Solo-Kornettist oder ein 1. Flügelhornist bestimmte Führungsqualitäten. Aber die Klangfülle und Projektionsfähigkeit, die das hohe Blech besitzt, verlangt eben gleichzeitig auch ein gutes Einfühlungsvermögen. Denn die Balance zwischen den hohen Blechblasinstrumenten und dem Holz, welches in derselben Oktave eine wesentlich schwächere Durchschlagskraft besitzt, muss einfach stimmen. Wir können hier nicht einfach nur dynamisch abwägen, sondern müssen uns vor allen Dingen auch in Bezug auf die Klangfarbe mischen können. 

Und genau diese Mischfähigkeit nimmt umso mehr ab, je weiter wir uns in die oberen Dynamikbereiche und Register hineinbewegen, weil eben das Timbre einer Trompete gerade in den oberen Oktaven schärfer und damit weniger mischfähig wird. Insofern brauchen die Musiker im hohen Blech nicht nur Führungsqualität, sondern auch Einfühlungsvermögen und vor allen Dingen ein gutes Ohr.

Sie haben gerade die oberen Dynamikbereiche angesprochen. Manchmal tun einem ja die Vorderleute des hohen Blechs ein bisschen leid, vor allem in Probenräumen, in denen es keinerlei Abstufungen gibt. Muss man denn die Vorderleute des hohen Blechs besonders schützen? Oder muss man das hohe Blech so »erziehen«, dass die Spieler für ihre Vorderleute »verträglich« spielen?

Selbstverständlich plädiere ich für das Letztere. Denn es geht ja nicht darum, dass wir uns gegenseitig Schaden zufügen und so laut spielen, dass andere Musiker im Orchester einen Gehörschaden erleiden. Das kann auch der Musik nicht gut tun. Die Musiker im Orchester sollten weder an ihre Schmerzgrenze kommen, noch sollte das musikalische Gewebe durch übertriebene Dynamik aus den Fugen geraten: Wenn es einem wehtut, kann dies dem Gesamtklang des Orchesters und der musikalischen Aussage keinesfalls dienen. 

Und natürlich ist die Orchesteraufstellung fundamental wichtig. Ich habe immer wieder erlebt, dass hier am falschen Ende gespart wird und man einfach aus Gewohnheit heraus den Proben- oder Konzertsaal ausschließlich in der Fläche nutzt, anstatt entsprechende Stufen einzubauen – gerade für die Blechbläser und Schlagzeuger. 

Das hohe Blech ist hier sicherlich sehr exponiert, weil die Abstrahlcharakteristik der Schallbecher sehr direkt nach vorne gerichtet ist. Deswegen müssen im Orchesteraufbau Abstufungen geschaffen werden, sodass der Schalldruck von den Trompeten nicht auf Kopfhöhe derjenigen Musiker emittiert wird, die direkt vor dem Blechregister sitzen. 

Das PDF enthält alle vier Artikel des Schwerpunktthemas »Das hohe Blech - Klanglicher i-Punkt im Orchester«: 

  • 30.01.2019
  • Schwerpunktthema
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 2/2019
  • Seite 32-35

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